Wie wirken Vornamen auf andere?

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Der Vorname ist etwas, das man das ganze Leben bei sich trägt, das einen Eindruck hinterlässt und nur sehr schwer geändert werden kann. Bei der Suche nach einem passenden Vornamen sollte dessen Wirkung daher bedacht werden.

Der Vorname als Zeichen der Individualität

Es gibt bei den Vornamen ganz verschiedene Trends. So zeigen sich klar und deutlich einige bestimmte Richtungen je nach Generation. Während Andrea und Franz früher ganz besonders beliebte Namen waren, gelten sie heute als sehr altmodisch. Vor allem dann, wenn sie von kleinen Kindern getragen werden. Neben der Wirksamkeit der aktuellen Generation auf den eigenen Geschmack, spielt aber oft auch der Wunsch nach Individualität und einer tiefen Bedeutung eine Rolle. Wenn Eltern sich auf die Suche nach Vornamen machen, dann haben sie ganz verschiedene Ansprüche an den Namen. Er soll möglichst einzigartig sein und dabei noch eine Bedeutung haben, die für das eigene Kind ganz besonders gut passt. Dabei wird aber schnell vergessen, wie der Vorname eigentlich auf andere Menschen wirken kann. Bei der Suche nach einem Namen ist es daher nicht verkehrt, erst einmal die aktuell beliebtesten Namen durchzugehen. So hat man einen Blick für den aktuellen Tenor und kann schon einmal einschätzen, in welche Richtung die eigenen Namenswünsche gehen.

Die Studie – interessante Ergebnisse

Bei der Wahl des Vornamens für das eigene Kind lassen sich viele Eltern dazu verleiten, Namen von Stars und bekannten Perslnlichkeiten oder Figuren aus Filmen oder TV-Serein zu wählen. Doch nicht jedem Kevin gereicht der Vorname zu Berühmtheit und Erfolg. (#1)

Bei der Wahl des Vornamens für das eigene Kind lassen sich viele Eltern dazu verleiten, Namen von Stars und bekannten Perslnlichkeiten oder Figuren aus Filmen oder TV-Serein zu wählen. Doch nicht jedem Kevin gereicht der Vorname zu Berühmtheit und Erfolg. (#1)

An der TU Chemnitz haben es sich zwei Studenten zur Aufgabe gemacht, sich bei ihrer Diplomarbeit genau mit der Frage zu beschäftigen, was eigentlich Vornamen über die Person aussagen. Spätestens seit dem berüchtigten Kevinismus haben Eltern Angst, dass ihre Kinder in eine Schublade gesteckt werden. So gelten Vornamen, wie Chantalle, Kevin oder auch Jaqueline, längst nicht mehr als angesagt, sie können den Kindern in der Schule sogar richtige Probleme bereiten. Es hat sich gezeigt, dass sogar Lehrer Kinder mit diesen Namen in eine Schublade stecken und ihnen weniger Intelligenz unterstellen, als einer Charlotte oder einem Paul. Auch die Studie der Psychologie-Studenten hat gezeigt, was für eine Wirkung ein Vorname wirklich haben kann. So wurden insgesamt 60 Namen von den Testpersonen bewertet. Es handelt sich dabei nicht um sehr ausgefallene, sondern eher um verbreitete Namen. Die Bewertung sollte auf der Basis der Themen Intelligenz, Alter und Attraktivität erfolgen. Das Ergebnis zeigt: Wer nur den Namen kennt und auf dieser Basis einen Menschen jung oder alt einschätzt, der hat auch eine Vorstellung von der Attraktivität. Wird die Person über den Vornamen als jung eingeschätzt, wird sie automatisch auch als attraktiv angesehen und Attraktivität bringt mehr Intelligenz mit sich. Das ist eines der Ergebnisse aus der Studie mit dem Namen „Ein Vorname sagt mehr als 1.000 Worte“.

Zeitlos, altmodisch oder modern? – Der Vorname und seine Wirkung

Viele Menschen unterteilen die Vornamen vor allem in die Sparten von altmodisch über modern bis zeitlos. Zeitlose Namen für Frauen, wie Susanne oder Maria, rufen eine positive Reaktion hervor. Bei Männern sind es Namen, wie Christian oder Alexander, die meist positiv verbunden werden. Anders sieht es mit altmodischen Namen aus. Wer als Frau Kerstin oder Petra heißt und als Mann mit dem Namen Dirk oder Holger versehen wurde, der wird allein vom Hören her schon als älter eingeschätzt. Die modernen Namen haben werden dagegen entweder sehr gemocht oder gar nicht gut angenommen. Laura und Sophie oder Jonas und Felix sind schon auf dem Spielplatz in einer großen Menge vertreten. Oft wird den Eltern Einfallslosigkeit unterstellt und den Trägern der Namen eher weniger Individualismus. Wie man es bei der Suche macht, so macht man es also verkehrt. Setzen Eltern eher auf klassische Namen, wirken die Kinder älter, als sie sind. Wer sich für einen modernen Namen entscheidet, der läuft dagegen Gefahr, dass gleich mehrere Kinder reagieren, wenn nach dem eigenen Nachwuchs gerufen wird.

Der Kevinismus und seine Bedeutung

Individualismus kontra Einfallslosigkeit: viele Eltern haben Angst, dass zuviele Kinder auf den gleichen Namen hören könnten. Doch das Streben nach Individualität treibt oftmals merkwürdige Blüten. (#3)

Individualismus kontra Einfallslosigkeit: viele Eltern haben Angst, dass zuviele Kinder auf den gleichen Namen hören könnten. Doch das Streben nach Individualität treibt oftmals merkwürdige Blüten. (#3)

Kaum etwas zeigt so gut, wie Vornamen auf andere Menschen wirken können, wie der Kevinismus, oder auch der Chantalismus. Hierbei handelt es sich um eine Entwicklung der aktuellen Zeit in Bezug auf die Vornamen. Meist wird mit einem Augenzwinkern über den Kevinismus gesprochen. Wie sehr er aber wirklich schon Einzug gehalten hat, zeigen sogar aktuelle Ergebnisse aus Umfragen. Aber was genau ist damit nun gemeint? Im Prinzip beschreibt er die Handlung von Eltern, ihren Kindern außergewöhnliche Vornamen zu geben, die als nicht sozialverträglich eingestuft werden. Unter anderem gehören dazu die „Symptome“:

  • Doppel- oder Mehrfachnamen beim Kind
  • Die Namen enthalten entweder ein y, haben ein J oder ein Ch zu Beginn oder enden auch gerne auf –ia
  • Viele der Namen stammen aus dem englischen oder französischen Bereich

Auf den ersten Blick liest sich dies lustig, tatsächlich kann der falsche Name den Kindern aber sogar die Zukunft verbauen oder es ihnen zumindest schwer machen, sich durchzusetzen. Das Problem dabei ist, dass Vornamen, wie Kevin, Justin oder Peggy und Chantalle, mit Eltern verbunden werden, die der Unterschicht anzugehören scheinen. Wie diese Entwicklung zustande gekommen ist, lässt sich nicht mehr unbedingt nachvollziehen.

Was ist die Auswirkung von Kevinismus auf das Kind?

Kevinismus bzw. Chantalismus können zu einem Ausgrenzen des eigenen Kindes führen. Viele Menschen bringen Kindern mit bestimmten Vornamen eine eher geringe Wertschätzung entgegen. (#2)

Kevinismus bzw. Chantalismus können zu einem Ausgrenzen des eigenen Kindes führen. Viele Menschen bringen Kindern mit bestimmten Vornamen eine eher geringe Wertschätzung entgegen. (#2)

Tragen Kinder Namen, die mit dem Phänomen „Kevinismus“ in Verbindung gebracht werden, dann kann dies Auswirkungen im Alltag haben. Dazu hat sich auch ein Soziologe geäußert. Jürgen Gerhards hat dieses Thema schon länger im Fokus und bei seinen Studien festgestellt, dass Menschen aus der Unterschicht bei der Namensgebung tatsächlich eher auf die angloamerikanischen Vornamen zurückgreifen oder ihren Kindern Doppelnamen geben. Wer der Oberschicht angehört, der legt großen Wert auf eine Abgrenzung und holt sich die Inspiration für die Namen oft aus der Literatur oder der Kultur. Aber längst nicht alle Experten sehen diesen Trend. So weist Gerhard Müller, der für die Gesellschaft für deutsche Sprache tätig ist, darauf hin, dass sich diese Entwicklung gar nicht an Statistiken festmachen lasse. Dennoch haben Studien gezeigt, dass sogar die Lehrer sich durch Vornamen beeinflussen lassen. Wenn Kinder mit Namen, wie Charlotte oder Alexander an die Schule kommen, dann werden diese bereits nur anhand ihrer Namen von den Lehrern als positiv eingestuft. Anders ist es dagegen bei Mandy und bei Angelina, Kevin oder Justin.

Das Problem mit den Schubladen bei den Vornamen

Das größte Problem für die betroffenen Kinder ist, dass sie allein anhand ihrer Vornamen bereits in Schubladen gesteckt werden. Wenn die Erwartungen an ein Kind bereits sind, dass es laut und auffällig ist, vielleicht unter einer Lernschwäche leidet und keinen Respekt hat, dann wird dieses Kind die Einstellung sich selbst gegenüber vielleicht übernehmen. Möglicherweise ist das Kind aber auch gar nicht anfällig dafür, diese Vorurteile zu spüren. Dennoch wird es Schwierigkeiten haben, aus der Schublade herauszukommen, auch wenn es diese Vorurteile gar nicht erfüllt. Viele Grundschullehrer haben gezeigt, dass sie mit Vornamen bestimmte Verhaltensweisen in Verbindung bringen. Auch hier kommt wieder zu Tage, dass diese Vornamen in erster Linie mit der Unterschicht in Verbindung gebracht werden. Eltern sollten daher bei der Namenswahl ganz genau darüber nachdenken, wie ihr Kind heißen soll. Auch wenn die Verbindung zu Stars oder zu einem besonderen Film, die Schreibweise mit „oe“ oder „ue“ oder der Doppelname eine Bedeutung haben, kann dies Auswirkungen auf das Kind haben. Nicht zu vergessen ist zudem, dass Kinder ihre Vornamen oft ihr Leben lang buchstabieren müssen, wenn sie ein besonderes Merkmal haben, das den meisten Menschen so nicht bekannt ist.


Bildnachweis: © Fotolia – Titelbild JackF, #1 aufer, #2 Butch, #3 Antonio Gravante



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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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