Privater oder öffentlicher Kindergarten?

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Ein Jahr lang dauerte bei Vielen die Elternzeit, in der das Baby so gut behütet wurde wie wohl nie wieder in seinem Leben. Danach geht es für die Meisten in die Kita. Doch wie findet man eine geeignte Kita für sein Kind?

Privater oder öffentlicher Kindergarten: Eine Frage der Weltanschauung und des Geldbeutels

Die Wahl des Kindergartenplatzes spielt natürlich zum einen die Weltanschauung der Eltern eine Rolle spielt: Wer selbst nicht Mitglied einer Kirche ist, wird sicherlich auch nicht gezielt nach einem evangelischen oder katholischen Kitaplatz suchen.

Außerdem ist der Geldbeutel nicht ganz unwichtig, denn ein privater Kindergarten kostet um einiges mehr als ein öffentlicher Kitaplatz, der durch einen freien Träger oder durch die Gemeinde vergeben wird.

Doch nun erst einmal zu den Tipps zum Finden einer Entscheidung:

So mancher privater Kindergarten kommuniziert nach außen ein bestimmtes Erziehungskonzept und arbeitet nach Montessori oder in Richtung Waldorfpädagogik.

So mancher privater Kindergarten kommuniziert nach außen ein bestimmtes Erziehungskonzept und arbeitet nach Montessori oder in Richtung Waldorfpädagogik. (#01)

Öffentlicher oder privater Kindergarten?

  1. Das Erziehungskonzept
    So mancher privater Kindergarten kommuniziert nach außen ein bestimmtes Erziehungskonzept und arbeitet nach Montessori oder in Richtung Waldorfpädagogik. Derartige Ansätze verfolgen einige öffentliche Träger auch, meist sind sie dort aber weniger ausgeprägt. Vorsicht: Es sind zwei Seiten einer Medaille, wie etwas nach außen hin präsentiert und wie es tatsächlich gelebt wird.
  2. Das Mitspracherecht
    Ein privater Kindergarten lebt auch von den Eltern und davon, wie stark sich diese einbringen. Das Mitspracherecht hängt dort eng mit dem Mitbestimmungsrecht zusammen und im Kindergartenverein wird ein hohes Engagement gefordert. Wer sein Kind einfach nur betreut wissen möchte und sich ansonsten nicht auf Elternabenden oder in Bastelgruppen engagieren will, sollte daher eher den öffentlichen Kindergartenplatz wählen. Auch Familien mit einem stressigen Alltag profitieren von etwas weniger Elternengagement im Kindergarten.
  3. Das Finanzielle
    Dass ein privater Kindergarten teurer ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Doch auch bei freien Trägern oder bei Kindergärten der Gemeinde sind die Kosten nicht gerade gering, wenn die Beiträge nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt werden. Geringverdiener profitieren hier hingegen vom sozialen System und dementsprechend niedrigeren Beitragssätzen.
  4. Die Gruppengröße
    Öffentliche Kindergärten sind meist größer, der Betreuungsschlüssel weniger gut. Ein Schlüssel von 1:10 ist keine Seltenheit und wer selbst einmal auf mehr als ein Kleinkind aufpassen musste, weiß, wie wenig man den Kindern hier gerecht werden kann. Wer Wert darauf legt, dass das eigene Kind als Individuum wahrgenommen wird, sollte daher auf einen niedrigeren Betreuungsschlüssel achten und daher den privaten Kitaplatz wählen.
  5. Die Betreuungszeiten
    Ein privater Kindergarten kann auch nur vormittags geöffnet sein, während die öffentlichen Kindergärten meist eine Ganztagsbetreuung anbieten. Dafür kann es bei einem privaten Platz leichter sein, individuelle Regelungen zu finden. Inzwischen gibt es sogar private Kindergärten, die eine Abend- und Nachtbetreuung anbieten. Sehr hilfreich für alle Eltern, die in Schicht- und Nachtarbeit tätig sind.
  6. Die Ausbildung
    Wer Wert darauf legt, dass das Kind von einem ausgebildeten Pädagogen betreut wird, muss sich eher an öffentliche Kindergärten wenden, denn hier werden in der Regel ausgebildete Erzieher oder Pädagogen eingestellt. Allerdings gibt es dabei inzwischen je nach Region Unterschiede. Wie auch von Lehrern bekannt ist, gibt es bei Erziehern oft nicht ausreichend Bewerber, sodass selbst Quereinsteiger keine Seltenheit mehr sind. Im Privatkindergarten können sowohl Pädagogen als auch anderweitig qualifizierte BetreuerInnen tätig sein.
Wer nicht gerade auf dem Land wohnt und weiß, dass ohnehin nur der Kindergarten im Nachbardorf infrage kommt, hat meist die Wahl zwischen verschiedenen Kindergärten.

Wer nicht gerade auf dem Land wohnt und weiß, dass ohnehin nur der Kindergarten im Nachbardorf infrage kommt, hat meist die Wahl zwischen verschiedenen Kindergärten. (#02)

Privater oder öffentlicher Kindergarten: Die Entscheidung ist gefallen

Wer nicht gerade auf dem Land wohnt und weiß, dass ohnehin nur der Kindergarten im Nachbardorf infrage kommt, hat meist die Wahl zwischen verschiedenen Kindergärten. Ob diese dann jeweils einen freien Platz zur gewünschten Zeit zur Verfügung haben, ist eine ganz andere Frage. Doch wenn die Eltern die Termine zum Tag der offenen Tür wahrgenommen haben und von einer Einrichtung überzeugt sind, sollte es meist auch genau diese für ihr Kind sein.

Allerdings gibt es keinen rechtlich haltbaren Anspruch auf die Wunsch-Kita.

Eltern können nur versuchen, sich als besonders ideal zu präsentieren.

Das heißt, dass durchaus Präsenz gefragt ist: Besuche bei Kindergartenfesten, das Bekanntmachen mit anderen Eltern und vor allem mit den Erziehern, kleine Geschenke zu bestimmten Anlässen und Hilfsangebote können durchaus Tür, und Tor zur Wunsch-Kita öffnen. Allerdings ist das meist auch nur dort möglich, wo die Kita selbst darüber entscheidet, wer aufgenommen wird und wer nicht. Ist ein öffentlicher Träger involviert oder vergibt die Stadt den Kitaplatz, ist kaum eine „Bestechung“ in dem Sinne möglich.

Hier gehen die Anträge ein und werden der Reihe nach abgearbeitet. Die Kinder profitieren eher von einer Gleichbehandlung, sofern der Name nicht mit bestimmten Dingen in Verbindung gebracht werden kann. Wer nun meint, eine großzügige Spende an geeigneter Stelle könnte helfen, den Platz in der Wunsch-Kita zu bekommen, der irrt (hoffentlich). Allerdings geben viele Verantwortliche Kindern den Vorrang, wenn bereits ein Geschwisterkind in der betreffenden Kita betreut wird oder wenn der Wunsch gut begründet wird.

Ein unverhältnismäßig langer Fahrtweg wird allerdings oft nicht als ausreichender Grund gewertet! Hilfreich kann es auch sein, vorab das persönliche Gespräch zu suchen und sich bereits einige Zeit im Voraus mit der verantwortlichen Person, die über die Kitaplatzvergabe entscheidet, in Verbindung zu setzen. Eine persönliche Sympathie kann durchaus helfen.

Wichtig ist überdies der Kindergartenverein: Vielleicht lässt sich hier vorab die Mitarbeit organisieren, sodass später das eigene Kind bessere Karten zur Aufnahme in der betreffenden Einrichtung hat. Allerdings sollte dann eine gewisse zeitliche Verfügbarkeit der Eltern vorhanden sein, um die Mitarbeit auch wirklich wahrnehmen zu können. Wer durch Absagen bei Einladungen auffällt, hat bereits alle Chancen verspielt. Auch hier gilt wieder: Bitte überdurchschnittliches Engagement zeigen!

Wie nun bekannt ist, liegt der wohl größte Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Kindergärten vor allem in den Kosten und im Betreuungsschlüssel. (#04)

Wie nun bekannt ist, liegt der wohl größte Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Kindergärten vor allem in den Kosten und im Betreuungsschlüssel. (#04)

Wichtig ist natürlich die Vormerkliste.

Einige Kindergärten führen solche Listen direkt im Hause, bei anderen sind sie bei der Gemeinde zu finden. Das rechtzeitige Nachfragen nach einer solchen Liste und die Eintragung dort ist wichtig, wenn der Wunsch-Kitaplatz gesichert werden soll. Dabei ist mit „rechtzeitig“ nicht nur gemeint, sich vier Wochen vorher mit der entsprechenden Kontaktperson zu besprechen. Viele Kindergärten haben Wartelisten von einem Jahr oder sogar noch deutlich länger.

Wen wundert es da, dass inzwischen viele Eltern eine Anmeldung ihres Sprösslings direkt nach dessen Geburt vornehmen?

Danach sollte die Sache aber nicht als erledigt betrachtet werden, denn eine regelmäßige Nachfrage zeugt von offenkundigem Interesse an dieser speziellen Kita. Teilweise ist es ratsam, sich bei mehreren Kindergärten zu registrieren bzw. die Voranmeldung in verschiedenen Einrichtungen vorzunehmen. Sollte es bei einer Kita nicht klappen, ist immer noch die zweite Wahl offen oder eben die dritte. Diese Variante lassen aber nicht alle Gemeinden zu, auch hier gilt wieder, dass diesbezüglich individuell nachgefragt werden sollte.

Wer noch mehr Tipps rund um die Möglichkeiten der Kita-Suche möchte, kann sich den Leitfaden hier kostenlos downloaden und sich sofort auf die Suche nach einem Kitaplatz begeben.

Wichtig ist überdies der Kindergartenverein: Vielleicht lässt sich hier vorab die Mitarbeit organisieren, sodass später das eigene Kind bessere Karten zur Aufnahme in der betreffenden Einrichtung hat.

Wichtig ist überdies der Kindergartenverein: Vielleicht lässt sich hier vorab die Mitarbeit organisieren, sodass später das eigene Kind bessere Karten zur Aufnahme in der betreffenden Einrichtung hat. (#03)

Privater und öffentlicher Kindergarten oder Betriebskindergarten: Hier liegt der Unterschied

Wie nun bekannt ist, liegt der wohl größte Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Kindergärten vor allem in den Kosten und im Betreuungsschlüssel.

Dazu kommen aber noch weitere Unterschiede.

Die kommunale Kita wird meist von einem öffentlichen Träger oder von einem gemeinnützigen Verband betrieben. Auch die Kirchen kommen als Träger infrage. Die Träger sind dafür zuständig, dass der Kindergarten finanziert wird, dass Neubauten geplant und vorgenommen werden oder dass das Personal in ausreichender Zahl und Qualifikation vorhanden ist. In der Regel gibt es staatliche Zuschüsse. Die größten Vorteile liegen in den niedrigeren Beiträgen und in der sozialen Bindung der Kinder zueinander. Oft werden die Kinder, die hier zusammen in den Kindergarten gehen, auch in einer Schule eingeschult.

Ein privater Kindergarten arbeitet vor allem wirtschaftlich und orientiert sich weniger an gemeinnützigen Zwecken. Er muss sich selbst tragen, staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Dafür zahlen die Eltern höhere Beiträge, was in der Gesellschaft durchaus für Kritik sorgt. Von einer Zweiklassengesellschaft ist nicht selten die Rede. Dafür ist die Betreuungsqualität in der Regel um einiges höher, zumal auch die Erzieherinnen höhere Gehälter gezahlt bekommen können.

Nicht überall ist die Auswahl an Kindergärten so groß, dass Eltern überhaupt die Möglichkeit haben, eine Wunsch-Kita benennen zu können.

Nicht überall ist die Auswahl an Kindergärten so groß, dass Eltern überhaupt die Möglichkeit haben, eine Wunsch-Kita benennen zu können.(#05)

Betriebskindergarten: Begehrte Plätze

Der Vollständigkeit halber sei auch der Betriebskindergarten an dieser Stelle erwähnt. Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Angestellten die Kinderbetreuung an, was dann auf dem Betriebsgelände bzw. direkt daneben möglich ist. Für Eltern treten somit keine langen Anfahrtswege auf, sie nehmen das Kind einfach morgens mit zur Arbeit und nachmittags wieder mit zurück. Diese Plätze sind aber sehr begehrt und eine rechtzeitige Anmeldung ist auch hier erforderlich.

Privater Kindergarten als Alternative?

Nicht überall ist die Auswahl an Kindergärten so groß, dass Eltern überhaupt die Möglichkeit haben, eine Wunsch-Kita benennen zu können. Vielmehr ist es so, dass in einigen Orten ein Kindergarten in öffentlicher Trägerschaft betrieben wird, der Anlaufstelle für alle Eltern bzw. deren Kinder ist, die aus den umliegenden Orten stammen.

Eine Alternative gibt es hier nicht, denn die Gemeinde wird den Eltern bei der Beantragung des Kita-Platzes bei Verfügbarkeit immer diese Kita vor Ort benennen. Dann können sich die Antragsteller zwar eine andere Kita wünschen, entsprochen wird diesem Wunsch in der Regel aber nicht.

Dann bleibt als einzige Alternative ein privater Kindergarten. Bei dem Beispiel des Dorfkindergartens wird sich eine solche Einrichtung aber nicht in unmittelbarer Nähe befinden, zumindest ist dies als höchster Glücksfall zu verbuchen. Meist fallen somit längere Fahrtwege für die Eltern an, außerdem die höheren Kosten im Vergleich zur kommunalen Kita.

Insofern kann der private Kitaplatz vielleicht eine Alternative sein, wirklich machbar ist die Unterbringung des Kindes dort auf Dauer aber nicht. Zumindest gilt das dann, wenn beide Eltern in Vollzeit arbeiten müssen und nicht in der Lage sind, allzu lange Fahrstrecken zusätzlich zu bewältigen.

Video: KLAGE für KITA-PLATZ | SAT.1 Frühstücksfernsehen | TV

Aber es gibt doch den Rechtsanspruch auf den Kitaplatz!

Das ist auch richtig, einen Rechtsanspruch gibt es tatsächlich. Dabei geht es aber um den Anspruch auf die Betreuung des Kindes in einer Einrichtung. Die Rede ist hier nicht von einer bestimmten Einrichtung! Entgegen den Annahmen vieler Eltern gilt kein Rechtsanspruch auf die Wunsch-Kita, auch wenn es diesbezüglich in der Vergangenheit schon zu Klagen gekommen ist.

Soll sich dieser Wunsch erfüllen, handelt es sich eher um Glückssache oder um das Beherzigen der oben genannten Tipps, die dann auch wirklich Erfolg gezeigt haben. Die Behörden sind nicht verpflichtet, den Eltern einen bestimmten Kindergartenplatz anzubieten. Es muss sich lediglich um einen handeln, der in der Nähe des Wohnortes liegt. Allerdings ist gesetzlich nicht genau geregelt, was unter „wohnortnah“ zu verstehen ist und so haben Gerichte sogar schon entschieden, dass Eltern eine halbe Stunde Fahrtweg in Kauf nehmen müssen. Dies sei zumutbar.

Wer der Meinung ist, dass der angebotene Platz eben nicht zumutbar sei, sollte bei der zuständigen Behörde eine Widerspruch einlegen und das schriftlich. Darin ist genau zu begründen, warum der Platz nicht geeignet ist. Hierbei sollten zum Beispiel Fahrzeiten zur Sprache kommen, auch eine schlechte Verkehrsanbindung bzw. Verkehrsverbindungen, die zeitlich gesehen nicht „kinderkompatibel“ sind, können angesprochen werden.

Ist der Kindergarten bekannt, darf auch das dort vorhandene Förderkonzept angesprochen werden, allerdings geben die Behörden den Eltern aufgrund eines bestimmten Förderanspruches eher seltener nach, es sei denn, es handelt sich um einen Förderanspruch benachteiligter Kinder. Eine besondere Begabung wird nicht als förderwürdig anerkannt.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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