Moderne Kindererziehung: Pädagogisches Konzept oder aus dem Bauch heraus?

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Immer noch gibt es das Vorurteil, dass die Jugend von heute nur süchtig nach Computerspielen und Smartphone-Datteln sei. Das ist weit gefehlt, dennoch sind Kinder und Jugendliche heute anders. Eltern aber auch!

Kindheit und Jugend früher

Ganz früher waren Eltern nicht nur Respektspersonen. Die Kinder hatten gelernt, vor allem die Väter zu fürchten. Sie sprachen sie mit „Sie“ an und das nicht nur im übertragenen Sinne! Es war erlaubt, sein Kind zu schlagen und auch Hilfsmittel zur Züchtigung zu verwenden. Selbst in der Schule durften die Lehrer schlagen, was erschreckenderweise noch bis in die 1960er Jahre üblich war. Die Elterngeneration, die in den 1950er Jahren geboren worden ist, weiß davon noch ein Lied zu singen. Zu damaligen Zeiten wurde ein Kind nicht als wertvoller Mensch, als Bereicherung und größtes Glück angesehen. Es hatte zu funktionieren und Befehle auszuführen. Demütigung stand auf der Tagesordnung und aus heutiger Sicht gehörte ein Großteil der Eltern hinter Gittern.

Gut, dass sich das geändert hat. Heute herrscht das ganze Gegenteil und Kinder und Jugendliche von heute genießen alle Freiheiten. Eltern sind weniger Respektspersonen als vielmehr gute Freunde, Vertraute, die etwas zur Erziehung beitragen sollen. Dabei haben wir gelernt, das Kind immer als Individuum zu betrachten und nicht pauschal zu urteilen. Entwicklungsverzögerungen sind kein Tabu mehr, und wenn ein Kind nicht das leisten kann, was ein anderes vermag, bekommt es bei Einrichtungen der Klax Gruppe eine individuelle Förderung. Inklusion wird an den Schulen großgeschrieben, Kinder sollen nach Möglichkeit immer in die Gemeinschaft integriert werden.

Heutige Väter sind cool, trinken mit dem Nachwuchs einen (sofern das Kind kein solches mehr ist) und feiern auch mal bis in die Nacht oder in die frühen Morgenstunden hinein. (#01)

Heutige Väter sind cool, trinken mit dem Nachwuchs einen (sofern das Kind kein solches mehr ist) und feiern auch mal bis in die Nacht oder in die frühen Morgenstunden hinein. (#01)

Väter als Angst einflößende Monster

Wenn heute ein Jugendlicher mit seinem Vater in einer Kneipe sitzt oder zu einem Rockkonzert geht, schämt er sich nicht dafür. Heutige Väter sind cool, trinken mit dem Nachwuchs einen (sofern das Kind kein solches mehr ist) und feiern auch mal bis in die Nacht oder in die frühen Morgenstunden hinein. Jugendliche sind heute immer häufiger stolz auf ihre Väter, wollen mit ihnen unterwegs sein, gemeinsame Erlebnisse haben. Auch wenn es leider immer noch Fälle gibt, in denen die Väter die Angst einflößenden Monster von früher sind und körperliche Gewalt gegen ihre Kinder ausüben, ist das Gott sei Dank nicht mehr an der Tagesordnung und auch seitens des Gesetzgebers verboten.

Niemand darf ein Kind körperlich züchtigen und schon die Hand, die „kurz ausgerutscht“ ist, kann eine Strafe einbringen.
Natürlich darf nicht alles auf die Väter heruntergebrochen werden, denn auch Mütter haben in der Vergangenheit ihre Kinder misshandelt oder tun es auch jetzt noch. Dank des Einflusses moderner Erziehungsstile und dem wachsenden Bewusstsein, einen vollwertigen Menschen im Kleinformat vor sich zu haben, werden solche Fälle aber hoffentlich in Zukunft noch geringer werden.

Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass Erziehung heute nur über die Eltern funktioniert. Das gesamte Umfeld hat einen großen Anteil daran, wie sich das Kind entwickelt und wie es sozial integriert wird. (#02)

Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass Erziehung heute nur über die Eltern funktioniert. Das gesamte Umfeld hat einen großen Anteil daran, wie sich das Kind entwickelt und wie es sozial integriert wird. (#02)

Die Umwelt erzieht ein Kind

Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass Erziehung heute nur über die Eltern funktioniert. Das gesamte Umfeld hat einen großen Anteil daran, wie sich das Kind entwickelt und wie es sozial integriert wird. Forscher gehen davon aus, dass nur 30 Prozent des Verhaltens und der Charaktereigenschaften vererbt werden und somit kein Einfluss auf diese besteht. Die übrigen 70 Prozent werden durch das Umfeld bestimmt, durch Erfahrungen, die das Kind macht und durch direkte Vorbilder, die es erlebt. Es ist davon auszugehen, dass

  • Eltern
  • Großeltern und andere Verwandte
  • Erzieher und Lehrer
  • Soziale Gruppen
  • Individuelle Vorbilder

ein Kind gemeinsam erziehen. Dies stellt allerdings eine Parallele zu früher dar. Denn die Kinder wuchsen damals in der Regel in einem Mehrgenerationenhaus auf, wurden dort von Eltern, Großeltern und Tanten gemeinsam versorgt und erzogen. Heute, in den modernen Ein-Kind-Familien, sind die übrigen Familienmitglieder oft nicht einmal in der gleichen Stadt ansässig und können nicht direkt zur Entwicklung beitragen. Besteht aber Kontakt zu diesen, und sei es nur über das Telefon oder bei den jährlichen Familientreffen, beeinflussen die Angehörigen das Kind bzw. den Jugendlichen stark.

Die Kinder wuchsen damals in der Regel in einem Mehrgenerationenhaus auf, wurden dort von Eltern, Großeltern und Tanten gemeinsam versorgt und erzogen.(#03)

Die Kinder wuchsen damals in der Regel in einem Mehrgenerationenhaus auf, wurden dort von Eltern, Großeltern und Tanten gemeinsam versorgt und erzogen.(#03)

Harte Arbeit kontra Smartphone

Die Kindheit und Jugend sah früher harte Arbeit vor, es fehlte an elektrischen Geräten, um die Arbeit zu erleichtern. Oft mussten die Kinder viele Stunden auch bei sengender Hitze auf den Feldern arbeiten. Schwere Arbeiten, die heute kaum ein Erwachsener bereit wäre, zu tun, lasteten auf den Schultern der Kinder. Die harte Arbeit von Eltern und Kindern ließ kaum Freiräume zu, es gab nur selten gemeinsame Stunden, die lediglich der Verbindung zwischen Eltern und Kindern dienten. Dies ist allerdings ein Punkt, den viele Eltern heute auch beklagen, wenn auch aus anderem Grund.

Heute ist der Nachwuchs nicht beim Kartoffelsammeln auf dem Feld anzutreffen, sondern versteckt sich hinter dem Smartphone und seinen Youtube-Videos. Jetzt herrscht eine Art Freizeitstress, viele haben das Gefühl, sie müssten viele Veranstaltungen gleichzeitig besuchen und überall präsent sein. Die Familie setzt sich nicht zusammen und spielt am Samstagabend ein Gesellschaftsspiel! Weitaus häufiger verkriecht sich jeder hinter seinem Smartphone und ist für einige Stunden nicht mehr ansprechbar. Die gemeinsame Zeit ist damit nicht mehr geworden, sie gestaltet sich nur anders.

Allerdings muss auch gesagt werden, dass viele Erziehungsgrundsätze von früher völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten.(#04)

Allerdings muss auch gesagt werden, dass viele Erziehungsgrundsätze von früher völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten.(#04)

Erziehungsgedanken von früher heute anwenden

Allerdings muss auch gesagt werden, dass viele Erziehungsgrundsätze von früher völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Es ist gut für Kinder, wenn sie Erwachsene respektieren. Sie sollen nicht dreinreden, wenn sich Erwachsene unterhalten und höflich warten, bis sie an der Reihe sind. Sie sollen andere Leute grüßen (zumindest die, die sie kennen) und auch das Anbieten eines Sitzplatzes in Bus oder Bahn ist ein Zeichen von Respekt und Höflichkeit. Dass diese Dinge vielfach verloren gegangen sind, stellt negative Veränderungen in der Kindererziehung dar.

Laisser-faire ist nicht unbedingt der beste Ansatz, wenn es darum geht, einen jungen Menschen auf das Leben vorzubereiten. Früher oder später wird das Kind oder der Jugendliche lernen müssen, auf andere Rücksicht zu nehmen und sich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen. Leider gibt es schon die ersten Auswüchse von Maßnahmen Erwachsener, ein wenig Ruhe und Ordnung in das Leben zu bringen. Allerdings stellt sich dabei die Frage, ob die Kinder oder nicht eher ihre Eltern erzogen werden sollten! So geschehen in einem Restaurant an der Ostsee, das nun nur noch für Erwachsene ohne Kinder geöffnet hat.

Zu oft zogen Kinder die Tischdecken herunter, liefen schreiend im Restaurant herum und störten die anderen Gäste. Wenn sich dies über das normale Maß hinaus bewegt, ist die Toleranzgrenze der meisten überschritten und es ist an der Zeit, vor allem die Eltern dieser Kinder zur Ordnung zu rufen. Ob ein Kinderverbot der richtige Weg ist, sei einmal dahingestellt, aber es ist eine Möglichkeit für den Restaurantbetreiber, seine übrige Kundschaft nicht zu vergraulen.

In den meisten Fällen ist es am besten, wenn Eltern einfach auf ihr Bauchgefühl vertrauen und insgesamt gelassen bleiben. Niemand sollte sich vorschreiben lassen, wie das eigene Kind zu sein hat oder was es können muss. (#05)

In den meisten Fällen ist es am besten, wenn Eltern einfach auf ihr Bauchgefühl vertrauen und insgesamt gelassen bleiben. Niemand sollte sich vorschreiben lassen, wie das eigene Kind zu sein hat oder was es können muss. (#05)

Aus dem Bauch heraus erziehen?

Viele Mythen ranken sich um eine gute Kindererziehung und es werden zahlreiche pädagogische Ansätze verbreitet. In den meisten Fällen ist es am besten, wenn Eltern einfach auf ihr Bauchgefühl vertrauen und insgesamt gelassen bleiben. Niemand sollte sich vorschreiben lassen, wie das eigene Kind zu sein hat oder was es können muss. Jedes Kind ist anders, jedes individuell und weder Leistungen noch Verhalten sollten verglichen werden.

Doch die pädagogischen Ansätze sind nur eine Seite der Medaille. Weitaus wichtiger ist es, aus dem Bauch heraus zu agieren und zu sehen, was für das Kind im jeweiligen Moment gut ist und was für die Zukunft wichtig sein kann. Eine gesunde Mischung aus Erziehungstipps und Bauchgefühl führt zu einem entspannten Verhältnis zum Kind und zu einer gesunden Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Diese wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass die Kinder und Jugendlichen einmal sagen, dass sie stolz auf ihre Väter oder Mütter seien, dass sie gern mit ihnen zusammen wären und dass sie nicht sobald wie möglich das Elternhaus verlassen wollen.

Alle diese Punkte wären Kindern von früher nie in den Sinn gekommen und die meisten mussten nur bei ihren Eltern bleiben, weil es die soziale Situation so verlangte. Heute haben wir das Ziel, unsere Kinder mit Liebe an uns zu binden und ihnen dennoch den nötigen Freiraum für eigene Entscheidungen und Wege zu lassen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelild: Olesya Kuznetsova -#01: Rostislav_Sedlacek  -#02:  Peter Kim -#03: Nejron Photo

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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