Kinder, Computer und Schule – was sagen die Lehrer dazu?

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Die Digitalisierung in den deutschen Schulen wird vorangetrieben, auch wenn viele Lehrer und Experten skeptisch sind. Sind Computer eine Bedrohung für das Lernverhalten der Kinder?

Die digitale Computerwelt der Kinder

Eltern und Lehrer fühlen sich verunsichert, wenn sie die Kinder am PC sitzen oder mit dem Smartphone hantieren sehen. Sind die jungen Menschen reif genug, um die digitale Technikwelt von heute tatsächlich zu verstehen? Oder ist das alles nur ein Spiel? Die Experten sagen, dass die Nutzung alleine noch kein Hinweis auf die eigentliche Kompetenz ist. Die Kinder wissen zwar erstaunlich gut, wie die Geräte zu bedienen sind, doch die Zusammenhänge können sie nicht nachvollziehen.

Trotzdem müssen die Computerspiele und die sozialen Netzwerke nicht unbedingt einen negativen Einfluss haben. Teilweise fördern diese Spiele sogar die Kreativität oder trainieren das Reaktionsvermögen. Allerdings sollten die Kinder und Jugendlichen nicht zu oft mit den digitalen Geräte beschäftigt sein.

Über die verschiedenen Seiten der Computerspiele erfährt man hier weitere interessante Dinge. Unter anderem geht es um die Denkspiele, die manchmal mathematische oder zumindest logische Hintergründe haben. Andere, groß aufgebaute Computergames regen zu strategischen Überlegungen an.

Die Möglichkeit der Benutzung von digitalen Geräten sagt nichts über die tatsächliche Kompetenz aus. Babys können Handys meist schon früh in Teilen bedienen, aber sie verstehen noch lange nichts von dem was sie da tatsächlich tun. (#1)

Die Möglichkeit der Benutzung von digitalen Geräten sagt nichts über die tatsächliche Kompetenz aus. Babys können Handys meist schon früh in Teilen bedienen, aber sie verstehen noch lange nichts von dem was sie da tatsächlich tun. (#1)

Geld für die „digitale Bildung“

In den deutschen Schulen soll sich etwas verändern: Die Regierung macht viel Geld locker, um die digitale Infrastruktur aufzurüsten. Doch viele Lehrer wehren sich dagegen, dass die digitale Welt in das Schulsystem integriert wird, und wünschen sich zunächst eine gründliche Sanierung der Schulgebäude.

Sicherlich ist es ein Widerspruch, wenn die Schülertoiletten seit 20 Jahren nicht renoviert wurden aber WLAN und Computer zur Verfügung gestellt werden sollen. Dennoch sind die Reaktionen der Lehrer schwer nachzuvollziehen: Offensichtlich lauert hier eine gewisse Angst vor der Digitalisierung. Die Gründe für diese „digitale Bildungsangst“ sind folgende:

  • Das Gefälle des Wissensstands innerhalb der Lehrerschaft sowie zwischen Lehrern und Schülern,
  • der wachsende Abstand zwischen Kritikern und Digital-Fans,
  • der Wunsch, es auch ohne Computer zu schaffen und die Schüler zu selbständig denkenden Menschen zu erziehen,
  • die Diskrepanz zwischen klassischer Bildung und Konzentration auf die moderne Technik.
Täglich schreitet sie weiter fort, die Digitalisierung der Klassenzimmer. Nicht alle Lehrer finden das uneingeschränkt gut, viele haben ihre Zweifel. Nciht nur wegen der Tablet Nutzung in der Schule. (#2)

Täglich schreitet sie weiter fort, die Digitalisierung der Klassenzimmer. Nicht alle Lehrer finden das uneingeschränkt gut, viele haben ihre Zweifel. Nciht nur wegen der Tablet Nutzung in der Schule. (#2)

Die Vermittlung der digitalen Kompetenz

Bei der sogenannten digitalen Kompetenz geht es weniger um das Fachwissen, wie man etwas programmiert, als um die Lernprozesse. In den Schulen sollten die Kinder deshalb lerne, für welche Zwecke sich Smartphone und Laptop nutzen lassen. Zum sinnvollen Umgang mit den Geräten und Anwendungen gehört auch das Wissen, wie man sich ohne diese zurechtfindet.

Sicherlich können Google und YouTube eingesetzt werden, um mathematische Formeln nachzuvollziehen oder um sich auf den Musikunterricht vorzubereiten. Für das richtige Lernen brauchen die Schüler jedoch vor allem Konzentration und Zielstrebigkeit. Nicht zu vergessen: Die Quellen im Internet können unzuverlässig sein. Auch das sollten die Schüler erfahren, damit sie nicht zu sehr in den Sog der Internet-Informationen und der möglichen Fake-News geraten.

Das Problem der Vereinsamung

Facebook und andere soziale Plattformen haben bei den Erwachsenen einen eher schlechten Ruf. Die Heranwachsenden sehen den Austausch weniger skeptisch und können sich für Posts und Fotos von Freunden und Prominenten begeistern. Wer jedoch viel in der virtuellen Welt unterwegs ist, der vergisst womöglich die Realität. Gerade bei jüngeren Schülern ist das eine große Gefahr.

Beim genauen Hinsehen fällt jedoch auf, dass das Risiko der Vereinsamung nur bedingt mit der Digitalisierung zusammenhängt. Meistens deutet sich ein solches Verhalten auch in anderen Bereichen an: Einige Jugendliche sind von vornherein anfällig dafür, sich ganz von einem Spiel vereinnahmen zu lassen und die Welt um sich herum zu vergessen.

Anders herum ist der Austausch in den sozialen Netzwerken inzwischen unverzichtbar für die Kinder: Nur so funktioniert der Austausch mit den Freunden und mit Lerngruppen. Übertreiben sollten sie es trotzdem nicht, denn wer ständig im Internet surft oder sich mit den Games beschäftigt, hat nicht mehr so viel Zeit für die Hausaufgaben, Hobbys, Freunde und Familie.

Kein seltenes Bild: Statt miteinander zu sprechen, sitzen die Kids nebeneinander und starren auf Ihre Handys. Das ist definitiv keine gelungene Kommunikation oder ein schönes Zusammentreffen zum Spielen. (#3)

Kein seltenes Bild: Statt miteinander zu sprechen, sitzen die Kids nebeneinander und starren auf Ihre Handys. Das ist definitiv keine gelungene Kommunikation oder ein schönes Zusammentreffen zum Spielen. (#3)

Prioritäten setzen und sich der Digitalisierung vorsichtig annähern

Möglicherweise haben die Lehrer Probleme mit der wachsenden Bedeutung der Digitalisierung, weil sie sich überrumpelt fühlen. Sie brauchen selbst erst mehr Kenntnisse zu den digitalen Möglichkeiten und müssen deshalb Schritt für Schritt vorgehen. Vor allem die ältere Lehrergeneration muss sich intensiv mit den wichtigen Programmen vertraut machen, damit der Graben zwischen den technikbegeisterten Lehrern und den Einsteigern nicht zu groß wird.

Bei den Kindern sieht es nicht viel anders aus, allerdings werden sie von den digitalen Möglichkeiten regelrecht überrollt und können sich gar nicht dagegen sträuben. Sie müssen lernen: nicht nur, um zu spielen, sondern auch, um mit den anderen mithalten zu können.

Die Studien zu Computerspielen zeigen, dass diese durchaus positive Ergebnisse auf die Lernfähigkeit und die persönliche Entwicklung der Kinder haben können. Eltern und Lehrer sollten trotzdem aufpassen, dass die Reizüberflutung nicht zu groß wird und dass die eigentliche schulische Bildung nicht zu kurz kommt.

Untersuchungen zum Einfluss von Computerspielen

Eins lässt sich inzwischen mit Sicherheit sagen: Grundsätzlich wirken sich Computerspiele nicht nachteilig auf die Intelligenz von Schülern aus. In verschiedenen Studien wurde die Gehirnaktivität beobachtet, wenn es um das schnelle Begreifen von Texten oder um kleine Rechenaufgaben ging. Selbst beim häufigen Computerspielen war keine Verschlechterung der schulischen Leistungen festzustellen, höchstens im minimalen Maße. Die ungünstigen Auswirkungen durch die Games entstehen anscheinend nur durch die Tatsache, dass die Schüler weniger Zeit zum Lernen haben. Einige Untersuchungen zielten darauf ab, die Entwicklung spezifischer Fähigkeiten zu erkennen:

  • Das räumliche Verständnis,
  • die Koordination und Motorik,
  • das Gedächtnis,
  • strategisches Denken.

Auch positive Effekte sind offensichtlich nur im geringen Umfang wahrzunehmen. Bestenfalls kann man noch die Konzentrationsfähigkeit erwähnen, die möglicherweise etwas Auftrieb bekommt.

Infografik: Auch die Art des Schenkens hat sich verändert. Heutzutage liegen eher digitale Weihnachtsgeschenke unter dem Baum. (#4)

Infografik: Auch die Art des Schenkens hat sich verändert. Heutzutage liegen eher digitale Weihnachtsgeschenke unter dem Baum. (#4)

Wie Computerspiele die jungen Leute beeinflussen

Mit Veränderungen bei den PC-Games könnte man die Teamfähigkeit besser trainieren und so dem Einzelkämpfertum etwas entgegensetzen. Die meisten Computerspiele werden allein gespielt, auch wenn es sich um Games mit mehreren Teilnehmern handelt. Dann sitzen die Heranwachsenden vor ihrem PC und kommunizieren nur über das Spiel selbst mit den Mitspielern. Eine Art Teamstruktur ist somit kaum vorhanden.

Den Eltern und Lehrern erscheint es riskant, wenn die Kinder vor aggressiv aussehenden Action-Games sitzen. Sie befürchten, dass die Gewaltbereitschaft ansteigt. Das ist übrigens ein Argument, die reinen Strategie-Spiele voranzutreiben. Wenn es jedoch tatsächlich zu einem aggressiven Ausbruch kommt, so ist das entsprechende Potenzial schon vorher im Heranwachsenden vorhanden. Trotzdem gelten die Charaktere von jungen Menschen als leicht manipulierbar, sodass die Reaktionen auf die Games relativ heftig sein können.

Die Kontrolle über das digitale Nutzerverhalten von Schülern

Die noch formbaren Gedanken von Kindern lassen sich schnell beeindrucken, sei es durch aufregende Bilder von Action-Games oder durch futuristische Szenerien. Darum sollte man die Altersgrenzen beachten und zudem die Selbstkontrolle der Anbieter für Unterhaltungssoftware checken. Zudem setzen viele Eltern auf eine Überwachung der Spieldauer, auch wenn es schwer fällt, die altersgerechten Grenzen zu ziehen.

Ein entsprechender Ratgeber soll den Erwachsenen helfen, die digitale Begeisterung der Kinder richtig einzuschätzen. Bei jüngeren Schülern ist es sinnvoll, die aktuellen Games genau anzusehen und zusammen durchzuspielen. Sicherheitscodes sorgen dafür, dass nicht versehentlich hohe Kosten anfallen oder von unbekannter Stelle persönliche Daten ausgelesen werden.

Teilweise stehen spezielle Logos für kindgerechte Software zur Verfügung, die einem dabei helfen, die geeigneten Games zu finden und risikolos einzurichten.

Digitalisierung in Schule und Kinderzimmer lässt sich nicht verhindern. Daher grenzen Sie die Dauer und den Zeitpunkt der Nutzung ein. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder! (#5)

Digitalisierung in Schule und Kinderzimmer lässt sich nicht verhindern. Daher grenzen Sie die Dauer und den Zeitpunkt der Nutzung ein. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder! (#5)

Die digitale Zukunft in der Schule

Im schulischen Bereich und im Kinderzimmer hat sich viel verändert, doch dieser Prozess ist noch nicht zu Ende. Kein Wunder, dass den Eltern und dem Lehrpersonal manchmal angst und bange wird bei einem Blick in die Zukunft. Dabei beinhalten die Computer eine große Chance, wenn es um die Weiterentwicklung geht. Sie helfen in vielen Situationen:

  • beim Lernen selbst durch die entsprechende Software,
  • beim Abfragen von Wissen durch Datenbanken und Plattformen,
  • bei der Darstellung von bestimmten Szenen,
  • beim Recherchieren von Fakten.

Immer wieder geht es dabei um die Korrektheit und Plausibilität der Informationen. Bei einem Referat sollten die Schüler genau checken, ob die Fakten stimmen oder ob es sich lediglich um eine Meinung handelt. Ansonsten werden womöglich Fehlinformationen weiter verbreitet oder es drohen schlechte Zensuren.

Insgesamt gesehen, führt die Digitalisierung in der Schule die ursprüngliche Aufgabe weiter fort, unter Zuhilfenahme der heutigen technischen Mittel. Diese sollte man nicht ausschließen, sondern mit einbeziehen. Das fördert die Motivation der Schüler, erfordert jedoch eine positive, zukunftsorientierte Einstellung der Lehrer.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: michaeljung, -#1 goodmoments, -#2 Syda Productions, -#3 Monkey Business Images, -#5 Monkey Business Images

Infografik: © Schwarzer.de (#4)



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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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