Chemieunterricht soll interessanter werden!

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Chemieunterricht soll interessanter werden – dieser Forderung widmete sich bei der 33. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht Lehrpersonal aus ganz Deutschland: Tolles Engagement für einen spannenden Unterricht.

Chemieunterricht und das Bildungssystem in Deutschland

Dass den Naturwissenschaften und insbesondere dem Chemieunterricht eine ganz besondere Stellung zukommt, das ist nicht erst nach den Ergebnissen der jüngsten PISA-Studie bekannt. Gerade die naturwissenschaftlichen Fächer bergen viel Potenzial, das bei der Gestaltung eines abwechslungsreichen und spannenden Unterrichts vonnöten ist.

Doch auf einen einzigen deutschlandweiten Nenner können weder der Chemie- noch andere naturwissenschaftliche oder sprachliche Fächer gebracht werden. Dies liegt nicht zuletzt an dem föderalen Prinzip in Deutschland, bei dem die Bildungspolitik Ländersache ist. Auch wenn in der Kultusministerkonferenz deutschlandweite Beschlüsse gefasst werden, liegt die Umsetzung immer noch bei den Ländern.

Die hat mehrere Auswirkungen, die größtenteils in der Bevölkerung negativ wahrgenommen werden. Wer mit Kindern im schulpflichtigen Alter umziehen möchte, der hat beispielsweise Probleme, dass der Nachwuchs an der neuen Schule mit dem abweichenden Lehrplan zurecht kommt. Aufgrund der föderalen Ausrichtung der Bildungspolitik ist deutschlandweite Flexibilität nur schwerlich möglich.

Ferner besteht auch eine gewisse Bildungsrivalität vonseiten der Länder, die sich auch auf den Universitäten bemerkbar machen. Nicht selten ist es der Fall, das Absolventen aus Bayern höher bzw. besser eingestuft werden als Absolventen aus anderen Bundesländern. Diese landestypische Bildungspolitik ist nur eine Sache, die es schwierig macht, den Chemieunterricht deutschlandweit anzupassen.

Video: GHS GEFAHRENSYMBOLE / GEFAHRENPIKTOGRAMME

Chemieunterricht spannend gestalten

Trotz der Divergenzen der Unterrichtsgestaltung und der Lehrmaterialien, die von Bundesland zu Bundesland variieren, lassen sich Tendenzen ablesen: Es wird alles dafür getan, die naturwissenschaftlichen Fächer interessanter zu machen und dabei auch den Chemieunterricht spannend und vielseitig zu gestalten.

War es vor einiger Zeit noch beliebt, das Periodensystem intensiv zu studieren und den genauen Aufbau der einzelnen Moleküle zu studieren, rückt dies nun zunehmend in den Hintergrund. Selbstverständlich kommt weder das Lehrpersonal noch die Schüler bzw. die Studierenden umhin, theoretisches Wissen aufzubauen – dennoch stehen nun verstärkt Experimente im Vordergrund.

Chemieunterricht beginnt in der Regel mit dem Besuch der weiterführenden Schule. Während in der Grundschule noch Fächer wie Deutsch, Mathe und ein gesamtes naturwissenschaftliches Fach im Fokus stehen, wird das Fächerportfolio in den weiterführenden Schulen erweitert: Hier können Schwerpunkte gelegt werden und eine gesteigerte Differenzierung der einzelnen Fächer erfolgt. Doch ist diese Differenzierung überhaupt so sinnvoll? In jedem Fall bedarf es einer Unterscheidung der sprachlichen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, dennoch ergibt es Sinn, fächerübergreifend zu unterrichten.

Video: SCHNUPPERTAG CHEMIE 2016

Interdisziplinärer Chemieunterricht

Dass Chemie mehr ist, als nur Experimente durchzuführen und theoretische Formeln zu lernen, das wird spätestens dann klar, wenn man seinen Blick in der Natur schweifen lässt. Chemische und physikalische Prozesse gehen hier Hand in Hand und sind in vielen Fällen außerdem mit biologischen Prozessen verbunden. All dies kann unter dem Begriff ‚Naturwissenschaften‘ zusammengefasst werden.

Kein Wunder also, dass immer mehr führende Experten aus der Didaktik, aber auch aus der Chemie dafür plädieren, einen fachübergreifenden Unterricht zu starten. An bayerischen Mittelschulen, ehemals Hauptschulen, wird dieses Erfolgsmodell schon lange gefahren: Die Fächerkombination heißt hierbei PCB, was sich aus den Anfangsbuchstaben der Wörter ‚Physik‘, ‚Chemie‘ und ‚Biologie‘ zusammensetzt.

Je nach Jahrgang und den individuellen Interessen und Fähigkeiten der Schüler kann interdisziplinärer Chemieunterricht die Lernenden dazu motivieren, sich intensiver mit der naturwissenschaftlichen Thematik auseinander zu setzen. Ein fächerübergreifender Chemieunterricht zeigt sich dabei einerseits spannend und andererseits vielseitig.

Gleichzeitig beleuchtet der interdisziplinäre Unterricht ebenfalls größere Zusammenhänge und fokussiert weniger die spezifischen Einzelheiten. Das Thematisieren der größeren Zusammenhänge im großen Spektrum der Naturwissenschaften ermöglicht vielseitige Ansatzpunkte im Unterricht. All das trägt dazu bei, dass der Chemieunterricht spannender wird.

Video: RICHTIGES EXPERIMENTIEREN IM CHEMIEUNTERRICHT | www.mathiaspieper.de

Experten vom Fach: Chemieunterricht revolutionieren

Die Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker hat es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, den Chemieunterricht ansprechender, verständlicher und vor allem für die Schüler attraktiver zu gestalten. Die Mitglieder der Fachgruppe kommen aus verschiedenen Bereichen: So ergänzen sowohl Lehrkräfte von Schulen und Hochschulen das Forum das als auch Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst.

Gemeinsam haben es sich die Chemiker zum Ziel gemacht, ein versiertes Forum zu bilden, in dem Fragen rund um die Lehre und den Chemieunterricht gestellt und beantwortet werden können. Die mehr als 1800 Mitglieder der Fachgruppe Chemieunterricht fokussieren dabei sowohl die Lehre als auch Aus- und Weiterbildung.

Mit viel Engagement widmet sich die Fachgruppe Chemieunterricht dem Ausbau und der Verbesserung des Unterrichts, gänzlich dem Motto ergeben ‚Chemieunterricht soll interessanter werden‘. Insgesamt soll der Chemieunterricht spannender werden und auch entsprechend die Leistungsfähigkeit steigern.

Ein vielfältiger Pool von Ideen entsteht sowohl bei den Jahrestagungen der Fachgruppe als auch bei zahlreichen Workshops und Vorträgen. Gleichermaßen setzt sich die Fachgruppe Chemieunterricht auch durch offizielle Statements für eine Anpassung des Unterrichts ein: Veröffentlichungen und Stellungnahmen sowie diverse Druckwerke werden regelmäßig vonseiten der Fachgruppe veröffentlicht.

Video: Chemieunterricht Realschule 10. Klasse: 1. Thema – 10. St.: Ungesättigte Kohlenwasserstoffe

Fortbildungsevent der Fachgruppe Chemieunterricht 2016

Bereits zum 33. Mal in Folge fand vom 15. bis zum 17. September diesen Jahres die Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht statt. Dieses Mal trafen sich die Chemiker zu konstruktiven Diskussionen und spannenden Treffen in der

Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover. Auf dem Programm standen spannende Vorträge rund um das Thema ‚Wie kann Chemieunterricht anschaulich und abwechslungsreich gestaltet werden?‘ Das Themenspektrum der Vorträge reichte dabei von Unterrichtsgestaltung für die jüngeren Schüler (z. B. durch den Vortrag ‚Intelligente Knete‘ für einen nachhaltigen Chemieunterricht) bis hin zu ausgewachsenen Themen, wie beispielsweise dem Vortrag ‚Neue Experimente zu Redox Flow Batterien.

Einen wesentlichen Bestandteil der Diskussionen nahm auch das Thema ‚MINT‘ ein. Bei diesem Begriff handelt es sich wiederum um ein Akronym, bestehend aus den Wörtern ‚Mathe‘, ‚Informatik‘, ‚Naturwissenschaft‘ und ‚Technik‘. Die sogenannten MINT-Fächer weisen deutschlandweit eine deutlich höhere Anzahl an männlichen Absolventen auf als an weiblichen.

Genau dieses Ungleichgewicht wurde auch bei der Tagung der Fachgruppe Chemieunterricht thematisiert. Als typisches MINT-Fach zeigen sich auch die Absolventinnen in der Chemie eher rar gesät. Um dies langfristig zu ändern, wurden Vorträge wie ‚Hands-on Chemie! Experimentiereinheiten für MINT-Engpassberufe in der Phase der beruflichen Orientierung an Haupt- und Gesamtschulen‘ abgehalten.

 

Die Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker hat es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, den Chemieunterricht ansprechender, verständlicher und vor allem für die Schüler attraktiver zu gestalten. (#01)

Die Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker hat es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, den Chemieunterricht ansprechender, verständlicher und vor allem für die Schüler attraktiver zu gestalten. (#01)

Wie die Naturwissenschaften spannender machen?

Der Unterricht der Naturwissenschaften wird durch einige Tricks vonseiten der Lehrkraft deutlich spannender. So können einige Maßnahmen ergriffen werden, von denen sowohl jüngere Schüler als auch ältere Auszubildende oder Umschüler begeistert sein werden. Dazu zählen:

  • Anschauliche Experimente zum Nachmachen, um die Schüler selbst aktiv einzubinden
  • Fächerübergreifender Unterricht, um naturwissenschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen
  • Alltagsbezogener Chemieunterricht, der nicht nur theoretische Probleme fokussiert, sondern auch alltägliche Situationen
  • Exkursionen, um anschaulichen Unterricht zu gestalten
  • Förderung der weiblichen Schülerinnen zur Steigerung der Interesse an den Naturwissenschaften

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Naturwissenschaften im Allgemeinen und Chemieunterricht im Speziellen besonders spannend sind. Eine spezifische Förderung der Schüler sollte nicht ausschließlich auf die Förderung von Mädchen, sondern vor allem auf die Unterstützung von schwachen Lernenden fokussieren.

Nur wenn der Unterrichtsstoff verständlich ist, wird die Stunde spannend, aufregend und mit den richtigen Lehrtechniken auch absolut interessant.


Bildnachweis:© Fotolia-Titelbild:Christian Schwier-#01:Christian Schwier



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