Apps für Kleinkinder: Darauf sollten Sie achten

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Kennen Sie das auch? Da kommt das Kleinkind, das noch nicht einmal richtig sprechen kann, zu Ihnen und zeigt Ihnen etwas auf Ihrem Smartphone. Der Zwerg hat das Gerät aus Ihrer Tasche und weiß, wie es damit umgehen muss.

Intuitive Bedienung der Smartphones

Die meisten Hersteller von modernen Smartphones und Tablets legen größten Wert darauf, dass ihre Geräte möglichst intuitiv zu bedienen sind. Wer hat schon Zeit und Muße, um stundenlang Bedienungsanleitungen zu lesen? Dass es auch ohne geht, zeigen Kleinkinder immer wieder. Sie wissen, auf welche Tasten sie tippen müssen, um das Display zu entsperren, wo die Musik herkommt und wo interessante Apps liegen.

Spielzeughersteller geben sich die größte Mühe, Smartphones für Kleinkinder zu entwerfen, die piepsen und klingeln. Doch das Kind von Welt braucht kein derartiges Spielzeug, denn es nutzt lieber die echten Geräte von Eltern und großen Geschwistern. Es ist daher an der Zeit, dass Sie sich als Eltern Gedanken darüber machen, wie Sie den Medienkonsum der Kinder steuern und welche Basis Sie bereits im Kleinkindalter schaffen wollen. Auch Apps für Kinder gehören zu diesen Überlegungen dazu.

Spielzeughersteller geben sich die größte Mühe, Smartphones für Kleinkinder zu entwerfen, die piepsen und klingeln.

Spielzeughersteller geben sich die größte Mühe, Smartphones für Kleinkinder zu entwerfen, die piepsen und klingeln. (#01)

Gefahren durch das Smartphone

Wohl alle Eltern wissen, dass es keine gute Idee ist, dem Kleinkind das Smartphone zu überlassen. Im besten Fall müssen Sie sich nur bei dem versehentlich durch das Kind Angerufenen für die Störung entschuldigen. Im schlimmsten Fall hat es den App Store entdeckt und lädt fröhlich eine App nach der anderen herunter, wobei diese nicht immer zwingend gut, vertrauenswürdig oder unbedenklich sind.

Kinder sind durch Smartphones auf vielerlei Weise gefährdet:

  • Gewaltverherrlichung und andere verstörende Inhalte
  • Verstöße gegen Urheberrechte und Persönlichkeitsrechte
  • Cybermobbing
  • Datenschutzprobleme
  • Datenklau und unerlaubter Zugriff auf das Smartphone
  • Viren
  • Handystrahlung

Bei nur kurzer Nutzung ist die Handystrahlung sicherlich ein zu vernachlässigender Fakt. Doch ein Kind oder Kleinkind kann binnen weniger Minuten schlimme Inhalte auf das Telefon laden oder Dritten den Zugriff auf das Gerät ermöglichen. Alle Eltern wissen, dass ein kleines Kind nicht viel Zeit braucht, um einen möglichst großen Schaden anzurichten. Leider gilt dieser Fakt auch im Umgang mit dem Smartphone, denn hier genügt schon ein Tastendruck, um auf Seiten zu gelangen, die nicht kindgerecht sind.

Wichtig ist daher, das eigene Smartphone so aufzubewahren, dass es nicht zum unbeabsichtigten Spielzeug für den Nachwuchs wird. Ist das Kind alt genug und besitzt sein eigenes Handy, kommen Einschränkungen für das Betriebssystem, eine Sperre für bestimmte Apps und das Verhindern des Zugriffs auf unangemessene Inhalte als Schutzmöglichkeiten infrage. Außerdem muss das Kind über sein Medienverhalten aufgeklärt werden. Es muss wissen, welche Gefahren hier drohen, denn wer allzu blauäugig an das Smartphone gelassen wird, tappt mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald in eine Falle.

Die App darf nicht nur dem Kind gefallen, denn Kinder sind hier nicht besonders wählerisch. Achten Sie statt auf die Meinung des Kindes besser auf angegebene Alterseinstufungen und auf die Erfahrungen anderer Eltern. (#02)

Die App darf nicht nur dem Kind gefallen, denn Kinder sind hier nicht besonders wählerisch. Achten Sie statt auf die Meinung des Kindes besser auf angegebene Alterseinstufungen und auf die Erfahrungen anderer Eltern. (#02)

Kindgerechte Apps auswählen

Ehe Sie sich für eine App entscheiden, sollten Sie auch die Hintergründe dazu kennen. Die App darf nicht nur dem Kind gefallen, denn Kinder sind hier nicht besonders wählerisch. Achten Sie statt auf die Meinung des Kindes besser auf angegebene Alterseinstufungen und auf die Erfahrungen anderer Eltern. Laden Sie die Apps zumindest am Anfang selbst herunter und prüfen Sie die angebotenen Möglichkeiten zum Austausch von Daten und zur Kommunikation. Sie sollten wissen, was möglich ist und wo Sie gegebenenfalls einschreiten müssen. Als Faustregel gilt, dass Kinder ungefähr ab einem Alter von 12 Jahren die Regeln für den Umgang mit dem Smartphone beherrschen und auch tatsächlich anwenden.

Nicht kindgerechte Apps gibt es in den Stores leider zur Genüge, meist verherrlichen diese Gewalt oder zeigen pornografische Bilder. Die Entwickler der Apps müssen zwar bestimmte Kriterien bei der Programmierung bzw. bei der Entwicklung der kleinen Programme beachten, doch nicht immer werden diese offen kommuniziert. Außerdem sind die empfohlenen Altersbeschränkungen oft nicht einsehbar. Allerdings gibt es auch bislang keine wirkliche Kontrolle, wenn jemand, der das angegebene Alter noch nicht erreicht hat, auf die App zugreifen möchte. Nicht bei allen Anbietern wird der Zugriff eingeschränkt, auch die Altersfreigabe ist nicht überall ersichtlich.

Nun stellt sich die Frage, ob Apps für Kleinkinder sinnvoll sind oder ob diese nicht lieber in ihr Bilderbuch schauen sollten. (#03)

Nun stellt sich die Frage, ob Apps für Kleinkinder sinnvoll sind oder ob diese nicht lieber in ihr Bilderbuch schauen sollten. (#03)

Apps für Kleinkinder nutzen

Nun stellt sich die Frage, ob Apps für Kleinkinder sinnvoll sind oder ob diese nicht lieber in ihr Bilderbuch schauen sollten. Sicherlich gehört zu einem gesunden Medienkonsum auch, nicht zu zeitig Computer und Internet ausgesetzt zu werden, doch welches Kind sagt nein, wenn es Zugang zu Smartphone und Co. bekommt? Sie als Eltern müssen daher eine Entscheidung treffen und wissen, ob Ihr Kind so weit ist, dass es mit dem Handy spielen kann. Dabei gibt es aber einige Apps für Kleinkinder, die einem Bilderbuch nachempfunden sind und auch pädagogisch durchaus wertvoll eingesetzt werden können.

Gute Apps für kleine Kinder sind liebevoll gestaltet und basieren auf Bilderbüchern, die die Kleinen aber nicht unbedingt schon kennen müssen. Wichtig ist, die kleinen Programme gemeinsam zu betrachten und dies am besten in einer gemütlichen Umgebung. Interessant ist, dass viele Väter, die ansonsten kaum lesen, mit einer App zum Vorlese-Papa werden könnten. Zumindest sah so das Ergebnis einer Studie der Stiftung Lesen aus. Apps sind vor allem auch für unterwegs eine gute Idee, so ersparen Sie sich die Mitnahme vieler Bücher in den Urlaub.

Gute Apps für kleine Kinder sollten das Kind auf keinen Fall ängstigen oder es unruhig werden lassen. Beobachten Sie Ihr Kind genau, denn es sollte auch nicht ärgerlich oder wütend werden. Als zeitlicher Rahmen erweisen sich zehn bis fünfzehn Minuten pro Tag als geeignet, damit sind die Kleinen hinreichend beschäftigt. Eine längere Computerzeit überfordert sie nur und fördert Konzentrationsprobleme.

Gute Apps für kleine Kinder sollten das Kind auf keinen Fall ängstigen oder es unruhig werden lassen. Beobachten Sie Ihr Kind genau, denn es sollte auch nicht ärgerlich oder wütend werden.

Gute Apps für kleine Kinder sollten das Kind auf keinen Fall ängstigen oder es unruhig werden lassen. Beobachten Sie Ihr Kind genau, denn es sollte auch nicht ärgerlich oder wütend werden.(#04)

Kontra: Was spricht gegen Apps?

Das kindersichere Smartphone ist zwar wichtig, dennoch sind viele Eltern der Meinung, dass Apps nicht gut für Kinder sind. Dieser Ansicht sind auch zahlreiche Pädagogen und Erzieher, denn ein Kind braucht für seine gesunde Entwicklung verschiedene Eindrücke. Es muss die Welt mit allen Sinnen begreifen und erleben, damit sich Geist und Körper entwickeln können. Bei der App hingegen sitzt das Kleine nur vor dem Smartphone oder Tablet. Gefordert wird lediglich der Sehsinn, teilweise ist auch der Hörsinn wichtig. Alle anderen Sinne werden nicht angesprochen.

Kinder sollen außerdem am besten draußen mit anderen Kindern toben und spielen. Am Bildschirm ist das nicht möglich, soziale Kontakte nehmen immer weiter ab. Und das in einer Zeit, in der sich Kinder ohnehin immer weniger bewegen! Nicht selten sind sie nach dem Ausschalten von Smartphone oder Rechner hibbelig und quengelig, werden schneller reizbar und aggressiv.

Apps lassen die Fantasie der Kleinen schrumpfen, denn sie geben alles vor. Nur wenige dieser kleinen Programme haben das Zeug dazu, die Fantasie anzuregen und dafür zu sorgen, dass die Kleinen eigene Ideen einfließen lassen.

Einige Eltern sehen in den elektronischen Angeboten eine Art Babysitter. Das Kind ist ruhig, es spielt für sich allein, stellt keine Fragen. So verständlich es auch ist, dass manche Eltern gern einmal einige Minuten ihre Ruhe haben wollen, mehr als diese Minuten sollten es aber nicht sein! Die Ruhe der Eltern geht auf Kosten der Kinder, die durch die ständige Beschäftigung mit Computer und Spielen auf dem Smartphone eine gestörte Entwicklung vorzuweisen haben.

Die folgenden Apps sind für Kinder unterschiedlichen Alters geeignet, wobei die Kleinkinder-Apps recht spielerisch an den Umgang mit dem Smartphone heranführen.

Die folgenden Apps sind für Kinder unterschiedlichen Alters geeignet, wobei die Kleinkinder-Apps recht spielerisch an den Umgang mit dem Smartphone heranführen. (#05)

Empfehlenswerte Apps für Kleinkinder und Kinder

Die folgenden Apps sind für Kinder unterschiedlichen Alters geeignet, wobei die Kleinkinder-Apps recht spielerisch an den Umgang mit dem Smartphone heranführen.

  • „Streichelzoo
    Die App ist für Kinder ab zwei Jahre gedacht und wurde für iOS entwickelt. Das kleine Programm ist eher ein Bilderbuch und zeigt verschiedene Tiere, die sich verwandeln können. Sobald sie berührt werden, geschieht etwas mit ihnen, dazu läuft eine kindgerechte und ruhige Musik. Das Kind kann weiterblättern und tippt sich durch die rund 30 Seiten.
  • „Bandimal“
    Diese App eignet sich für Kinder ab vier Jahre und wurde ebenfalls für iOS entwickelt. Hier ist Musik drin und dem Kind stehen verschiedene Klänge zur Auswahl, die durch Tiere dargestellt sind. Die Tiere singen und brummen und am Ende kommt ein niedlicher Musikmix heraus. Der klingt zwar etwas elektronisch, ist dafür aber selbst gemacht. Und selbst gemachter Krach ist immer toll!
  • „Miximal“
    Die App für iOS richtet sich an Kinder ab zwei Jahre und präsentiert sich ganz minimalistisch. Es geht um ein Baby-Känguru und um einen Elefanten sowie um weitere Tierkinder, die zu verschiedenen Kombiwesen werden. Die Tiere bekommen neue Namen, welche auch vorgelesen und angezeigt werden. Sogar Grundschüler sind damit noch gut beschäftigt. Inzwischen gibt es die App sogar als Buch!
  • „Lazuli“
    Das Lernspiel für Mathe richtet sich an Kinder ab vier Jahre und ist für iOS optimiert. Es geht um einen blauen Hund, um den sich das Kind kümmern muss. Das Tier braucht Knochen, welche das Kind wiederum durch das Lösen von Matheaufgaben verdient. Doch die Aufgaben sind gut versteckt und so merken die Kleinen gar nicht, dass sie hier rechnen müssen. Die Themen sind in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen aufgebaut und eignen sich auch noch für Grundschüler.
  • „Cut the Rope“
    Das Denkspiel für Kinder ab fünf Jahre gibt es für iOS und Android, wobei die kostenpflichtige Version ohne Werbung auskommt. Wer die App gratis nutzen will, muss einen kleinen Obolus bezahlen. Es geht um das Erfassen von Situationen, wofür Schnüre in der passenden Reihenfolge zu durchtrennen sind. Nach dem Durchtrennen fällt ein Bonbon in ein froschähnliches Wesen, was aber immer schwerer wird.
  • „Monument Valley“
    Die App fällt in die Kategorie Geduld und Abenteuer und ist für Kinder ab sechs Jahre gedacht. Sowohl iOS als auch Android lassen die App laufen, die sich ganz dem Bauen von Häusern widmet. Verschiedene Schwierigkeitsstufen gilt es zu meistern und sogar die Eltern sind von der Ästhetik des Spiels begeistert.
  • „#Stadtsache“
    Das Entdeckertool richtet sich an Kinder ab acht Jahre und ist sowohl Stadtführer als auch Schnitzeljagd. Die Fragen, die in der App für iOS und Android gestellt werden, befassen sich mit der Stadt selbst, mit ihren Schönheiten und Gegebenheiten. Die Antworten müssen per Foto gegeben werden, am Ende entsteht eine Karte, die alle Entdeckungen der Kinder aufnimmt und einträgt.
  • „Minecraft“
    In unserer Hitliste darf das Spiel ab neun Jahren natürlich nicht fehlen, bei dem die Kinder eigene Welten kreieren und bei dem sie zwischendurch einige Zombies bekämpfen müssen. Das Strategiespiel bringt die Kleinen im Mehrspielermodus sogar dazu, zusammenzuarbeiten und Dinge gemeinsam zu entwickeln. Die App gibt es für iOS und Android und läuft sowohl auf dem PC als auch auf dem Handy.

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Iakov Filimonov  -#01:  Maria Uspenskaya-#02: Iakov Filimonov -#03: kryzhov -#04: KieferPix   -#05: zenstock

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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