Quality Time mit der Familie: Wenn Zeit besonders kostbar wird

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Quality Time heißt, die gemeinsame Zeit mit wertvollen Dingen füllen. Dafür braucht man aber auch genügend Freiraum, denn ohne die nötige Quantität fällt es schwer, der Zeit Qualität zu verleihen.

Zeit als wichtiges Qualitätsgut

Wenn sich die Familienmitglieder gegenseitig „Zeit schenken“, hat diese einen besonderen Wert. Darum sollte sie auch nicht nur für die alltäglichen Dinge genutzt werden. Schöner für alle ist es, wenn die Quality Time mit speziellen Aktivitäten gefüllt wird. In diesen Phasen erhalten die Kinder die gesamte Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Im Alltag mus man ein wenig vorausplanen, um sich Freiräume zu schaffen. Es lohnt sich aber, wenn man zwischen Schule, Arbeit, Sportverein und Musikunterricht genügend freie Zeit zur Verfügung hat, um diese mit Qualität zu versehen.

Der Qualitätsaspekt bezieht sich auf die wertvolle Nutzung. Oft entstehen aus diesem intimen Zusammensein die wichtigsten Erinnerungen. Es wäre jedoch falsch, die familiäre Beziehung allein auf die Intensität der gemeinsamen Zeit aufzubauen. Letztendlich müssen die Eltern auch genügend „normale Zeit“ mit dem Kind verbringen, damit ein liebevolles Miteinander möglich ist.

Wenn sich die Familienmitglieder gegenseitig "Zeit schenken", hat diese eineWenn sich die Familienmitglieder gegenseitig "Zeit schenken", hat diese einen besonderen Wert. (#01)

Wenn sich die Familienmitglieder gegenseitig „Zeit schenken“, hat diese einen besonderen Wert. (#01)

Zusammensein mit mehr oder weniger Nähe

Die Gegenwart der Eltern spüren ist für Kinder sehr wichtig, um sich geborgen zu fühlen. Das klappt auch dann, wenn sich die Kinder mit sich selbst beschäftigen und die Mutter oder der Vater im gleichen Raum sitzen. Beim Basteln oder Spielen müssen die Eltern nicht immer ihrem Kind gegenüber sitzen oder mitmachen. Ein kurzer Austausch von Sätzen hin und wieder reicht aus, um eine gewisse Aufmerksamkeit zu signalisieren.

Wenn die Kinder wissen, dass ihre Eltern da sind, haben sie die Möglichkeit, nach Stimmung auf sie zuzugehen oder sich für eine Weile zurückzuziehen. Nähe lässt sich nicht von einem Moment auf den nächsten herstellen, sondern erfordert die dafür geeignete Stimmung. Manche Eltern und auch andere Verwandte zwingen den Kindern ihre Präsenz auf und fordern eine sofortige Verbundenheit. Dieses Gefühl braucht jedoch seine Zeit.

Auch wenn die Kinder einmal bei Freunden oder Verwandten übernachtet haben, dauert es meistens eine Weile, bis die bekannte Harmonie zu den Eltern wieder hergestellt ist. Das hängt aber nicht mit Eifersüchteleien oder anderen Unstimmigkeiten zusammen, sondern nur mit der erneuten Umstellung auf den familiären Rhythmus.

Video: Was ist „Quality time“? – FamilienbeziehungTV

Quality Time birgt die Gefahr von hohen Ansprüchen

Wer sich ein Zeitfenster freigeräumt hat, um mit dem Kind etwas Besonderes zu unternehmen, fordert dafür oft besonderes Lob ein. Doch möglicherweise sieht der Nachwuchs bestimmte Aktivitäten als Stress an. Die von den Eltern geplante Radtour kommt bei den Kindern nicht gut an, sie möchten lieber zuhause bleiben und herumgammeln oder ihre Freunde besuchen.

Unter einer schönen Zeit versteht jeder etwas anderes. Darum ist es wichtig, besondere Dinge gemeinsam vorzubereiten und darüber zu sprechen. Auch das kann zu überhöhten Anforderungen führen, die später in einer Enttäuschung münden, doch zumindest muss sich dann niemand schuldig fühlen. Kompromisse gehören zum familiären Leben, ebenso wie das Akzeptieren von verschiedenen Vorlieben.

In der Quality Time geht es vorrangig darum, die zwischenmenschliche Beziehung zu verstärken. Das gelingt besonders gut bei Unternehmungen, von denen beide Seiten begeistert sind. (#02)

In der Quality Time geht es vorrangig darum, die zwischenmenschliche Beziehung zu verstärken. Das gelingt besonders gut bei Unternehmungen, von denen beide Seiten begeistert sind. (#02)

Ideen für die wertvolle Zeit

In der Quality Time geht es vorrangig darum, die zwischenmenschliche Beziehung zu verstärken. Das gelingt besonders gut bei Unternehmungen, von denen beide Seiten begeistert sind. Wenn man sich beim Tag im Klettergarten über die Erfolge austauscht oder zusammen ein Sportfest besucht, ist das für die Eltern und Kinder ein großer Spaß.

Intensive Erlebnisse kann man aber auch bei anderen, weniger aufregenden Dingen mitmachen:

  • Beim gemeinsamen Backen,
  • auf einer Tageswanderung,
  • während eines Stadtbummels,
  • beim Museumsbesuch.

Für die Verbesserung der familiären Beziehungen ist aber nicht nur die intensiv erlebte gemeinsame Zeit wichtig. Auch das entspannende, weniger bewusste Zusammensein sorgt für ein starkes Vertrauen.

Eine glückliche Familie entsteht nicht allein durch wenige Stunden Quality Time. Trotzdem ist diese Qualitätszeit etwas Wertvolles und wirkt sich auf das Selbstwertgefühl der Kinder aus. (#03)

Eine glückliche Familie entsteht nicht allein durch wenige Stunden Quality Time. Trotzdem ist diese Qualitätszeit etwas Wertvolles und wirkt sich auf das Selbstwertgefühl der Kinder aus. (#03)

Wenn beides stimmt: Qualität und Quantität der Zeit

Eine glückliche Familie entsteht nicht allein durch wenige Stunden Quality Time. Trotzdem ist diese Qualitätszeit etwas Wertvolles und wirkt sich auf das Selbstwertgefühl der Kinder aus. Typisch für die Quality Time ist die bewusste Wahrnehmung dieser besonderen Phasen. Darum gehören die üblichen Hobbys und die alltäglichen Tätigkeiten im Haushalt definitiv nicht zur Qualitätszeit.

Im Gegenteil, um mehr Qualität in die gemeinsame Zeit zu bringen, kann man sich die Arbeit vereinfachen und beispielsweise einmal Essen bei Restaurants über Online-Plattformen wie Lieferheld zu bestellen, anstatt selbst zu kochen, oder mit der Bahn anstatt mit dem Auto fahren, um sich auf der Fahrt besser mit dem Kind beschäftigen zu können.“

Auch der Zeitmenge kommt eine große Bedeutung zu. Allerdings ist es nicht einfach, den Alltag so zu takten, dass das Kind immer einen Ansprechpartner in der Nähe hat. Eltern bekommen oft ein schlechtes Gewissen, weil sie den Eindruck haben, ihr Kind zu vernachlässigen. Dabei vergessen sie jedoch, dass auch die Zeit am Frühstückstisch oder die gemeinsamen Stunden im Wohnzimmer eine Vertrauensbasis bilden. Möglicherweise wird hier kaum gesprochen, doch allein die Anwesenheit der Eltern sorgt für ein geborgenes Gefühl.

Unter einer schönen Zeit versteht jeder etwas anderes. Darum ist es wichtig, besondere Dinge gemeinsam vorzubereiten und darüber zu sprechen (#04)

Unter einer schönen Zeit versteht jeder etwas anderes. Darum ist es wichtig, besondere Dinge gemeinsam vorzubereiten und darüber zu sprechen (#04)

Wertvolle Zeitmomente im Alltag

Wer sich zuerst einen Tag freischaufeln muss, um etwas Schönes mit den Kindern zu unternehmen, verschiebt diesen Termin oft. Wenn es dann endlich klappt, kommt die Überraschung womöglich nicht so gut an oder der Nachwuchs fühlt sich von den Erwartungen erdrückt. Besser ist es, auch die kleinen alltäglichen Gelegenheiten zu nutzen, um seinen Kindern nahe zu sein.

Das funktioniert zum Beispiel in den folgenden Situationen:

  • Am Frühstückstisch fragt man das Kind, ob es sich auf die Schulfreunde freut,
  • mittags oder nachmittags hört man dem Nachwuchs bei den Erzählungen aus der Schule zu,
  • bei der Vorbereitung des Abendessens kann das Kind mithelfen,
  • Vorlesen, nicht nur wenn es Schlafenszeit ist, gefällt allen Kindern,
  • gemeinsam macht Aufräumen mehr Spaß,
  • bei Gartenarbeit und anderen Aktivitäten machen Kinder gerne mit.

Wenn Kinder kleine Pflichten übernehmen, stärkt das die Bindung, außerdem lernen sie dadurch etwas mehr Verantwortungsbewusstsein. Manchmal artet eine gemeinsame Putz- oder Aufräumaktion aber auch in einem lustigen Spiel aus, bei dem die Eltern wieder zu Kindern werden.

Trennungseltern kennen ihre Kinder kaum noch im Alltag. Für sie bedeutet das Zusammensein mit den Kindern immer Quality Time, doch bei den Kindern sieht es etwas anders aus. (#05)

Trennungseltern kennen ihre Kinder kaum noch im Alltag. Für sie bedeutet das Zusammensein mit den Kindern immer Quality Time, doch bei den Kindern sieht es etwas anders aus. (#05)

Quality Time bei Trennungseltern: Ein schwieriges Thema

Trennungseltern kennen ihre Kinder kaum noch im Alltag. Für sie bedeutet das Zusammensein mit den Kindern immer Quality Time, doch bei den Kindern sieht es etwas anders aus. Sie müssen sich nach zwei Wochen erst einmal wieder an die Gegenwart des sonst abwesenden Vaters oder der Mutter gewöhnen. Dennoch wünschen sich die Erwachsenen sowie die Kinder eine möglichst intensive und gut ausgenutzte Zeit, wenn sie zusammen sind.

Hier spricht man auch von der Netto-Zeit. Das ist die Zeitmenge, die nach dem Hinfahren, Eingewöhnen und den nötigen Arbeiten wie Reinigen, Einkaufen, Essen und dergleichen noch übrig bleibt. Aus einem scheinbar langen Tag werden schließlich nur noch zwei Stunden, die das Elternteil ganz den Kindern widmet. Gerade in solchen schwierigen Fällen entscheiden sich die Erwachsenen bei bestimmten Dingen für schnelle Lösungen: Sie bestellen das Essen beim Lieferdienst oder planen Aktivitäten in der Nähe, um möglichst keine kostbare Zeit zu verlieren.

Video: Zeit für die Familie – AOK Umfrage

Beziehungen brauchen Zeit

Effektivität gehört nicht in die Freizeit, darum ist Qualitätszeit ein paradoxer Begriff. Man kann in eine relativ knapp bemessene Zeitspanne nicht etwas Außerordentliches hineinpacken. Beziehungen funktionieren anders als Arbeitsprojekte. Um gemeinsam etwas Schönes zu erleben, darf man nicht auf die Uhr schauen, sondern muss flexibel bleiben.
Natürlich freuen sich Kinder, wenn sich ihre Eltern ganz auf sie einstellen. Bei mehreren Kindern in der Familie ist es auch sinnvoll, sich hin und wieder auf nur ein Kind zu konzentrieren. Im Wechsel kommt keins der Kinder zu kurz, was sich positiv auf die Eltern-Kind-Beziehung und auch auf das Selbstbewusstsein auswirkt.

Zeit wird häufig als Luxus betrachtet. Tatsächlich ist es enorm wichtig für das Wohlbefinden, sich Zeit für etwas zu nehmen. Kinder spüren das und fühlen sich respektiert, wenn sie von den Eltern in viele Dinge mit einbezogen werden, ob es um freizeitliche Unternehmungen geht oder um alltägliche Handreichungen. Es sind nämlich nicht nur die besonderen Erlebnisse, die das Familienleben schöner machen. Auch der normale Austausch erhöht die Qualität der gemeinsamen Zeit.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Iakov Filimonov-#01: Halfpoint -#02:  LuckyImages -#03: Africa Studio -#04: Evgeny Atamanenko -#05:  Tania Kolinko



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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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