Schmerzen und Wehwehchen: Angepasste Schmerzbehandlung bei Kindern

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Wie lassen sich Schmerzen bei Kindern gut behandeln? Nicht immer muss die Fahrt direkt zum Kinderarzt gehen, leichte bis mäßige Schmerzen können auch allein behandelt werden. Die Kleinen brauchen jetzt Liebe und Aufmerksamkeit.

Schmerzen bei Kindern: Kleine und große Wehwehchen behandeln

Kinder leiden bei Schmerzen unterschiedlich stark. Während die einen „echte Indianer“ sind, die scheinbar jeden Schmerz gut wegstecken, krümmen sich andere nach dem Anschlagen des Schienbeins an einer Kante. Zuerst einmal brauchen die Kleinen dann Aufmerksamkeit, denn schon allein diese hilft.

Des Weiteren sollten Eltern bedenken, dass das Schmerzempfinden der Kleinen unterschiedlich ist. Besonders sensible Kinder empfinden schon leichte bis mäßige Schmerzen als sehr stark. Dabei übertreiben die Kleinen nicht, wie ihnen gern unterstellt wird, sondern sie nehmen den Schmerz tatsächlich anders war.

Schmerzen einfach wegpusten

Erste Hilfe bei kleinen Blessuren: Pusten! Natürlich hilft das Pusten dem kleinen Körper nicht, eine Schramme zu heilen oder einen Schnitt weniger stark bluten zu lassen. Hintergrund ist vielmehr der, dass die Aufmerksamkeit der Eltern jetzt gut tut und dass das Kind, das sich sicher und geborgen fühlt, Schmerzen weniger stark empfindet.

Durch das Pusten fühlen sich die Kleinen ernst genommen. Außerdem ist Ablenkung wichtig: Gemeinsam ein Buch anschauen oder eine Geschichte lesen kann helfen, den Schmerz zu vergessen. Allerdings sollten die Kleinen natürlich nicht nur bei Beschwerden eine liebevolle Aufmerksamkeit bekommen, das könnte dazu führen, dass jedes Wehwehchen als besonders stark empfunden wird.

Video: Unterwegs mit dem Akut-Schmerz-Team im Haunerschen Kinderspital in München | Stationen | BR

Den Schmerz mit Medikamenten behandeln

Kopfschmerzen oder Fieber lassen sich mit Paracetamol oder Ibuprofen für Kinder behandeln. Diese beiden Mittel stehen als Saft oder Zäpfchen in verschiedenen Konzentrationen für alle Altersgruppen zur Verfügung.

Mittlerweile ist Ibuprofen sogar schon für Kleinkinder ab sechs Monaten frei verkäuflich. Aspirin bzw. der Wirkstoff Acetylsalicylsäure darf bei Kindern unter 14 Jahren nicht angewendet werden, hier besteht die Gefahr, dass das Reye-Syndrom ausgelöst wird und das ist lebensgefährlich.

Paracetamol wird schon für die Kleinsten vom Kinderarzt verschrieben und wird dann meist als Zäpfchen gegeben. Es hilft bei leichten bis mäßig starken Schmerzen, wirkt gegen Schmerzzustände und Fieber. Eine entzündungshemmende Wirkung liegt bei Paracetamol nicht vor. Wichtig: Überdosierungen können lebensgefährlich werden! Empfohlen wird, dass Säuglinge unter sechs Monaten höchstens 75 Gramm/Kilogramm Körpergewicht erhalten. Für Kindergarten- und Grundschulkinder liegt die maximale Obergrenze bei 100 Gramm/Kilogramm Körpergewicht. Ohne Abklärung der Beschwerden beim Kinderarzt sollte Paracetamol nur maximal eine Woche lang eingenommen werden.

Ibuprofen wird ebenso wie Paracetamol, hat darüber hinaus aber noch eine entzündungshemmende Wirkung. Es kann auch bei starken Schmerzen angewendet werden. Ibuprofen ist als Saft ebenso erhältlich wie als Tablette und als Schmelztablette, alle Varianten sind noch einmal für verschiedene Altersgruppen dosiert.

Bei Schmerzen oder Entzündungen kann auch Diclofenac zum Einsatz kommen. Das gilt vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates oder bei rheumatischen Beschwerden. Der Wirkstoff wird in Tabletten, Zäpfchen und Injektionslösungen verarbeitet, allerdings vertragen Kleine Diclofenac schlechter. Die Dosierung liegt bei höchstens 3 mg/kg Körpergewicht, für Kleinkinder unter sechs Jahren ist Diclofenac nicht geeignet.Hierzu gibt es keine ausreichenden Anwendungserfahrungen.

Bei leichten Schmerzen braucht das Kind am meisten Liebe und Aufmerksamkeit ( Foto: Shutterstock-Zoteva_)

Bei leichten Schmerzen braucht das Kind am meisten Liebe und Aufmerksamkeit ( Foto: Shutterstock-Zoteva_)

Ursachen für Schmerzzustände bei Kindern finden

Die Behandlung von Schmerzzuständen bei Kindern sollte nach Augenmaß erfolgen. Das heißt, wenn es sich um scheinbar vorübergehende, leichte bis mäßige Schmerzen handelt, können Hausmittel oder Schmerzmedikamente eingesetzt werden. Starke Schmerzen mit ungeklärter Ursache oder starke Beschwerden nach einem Sturz z. B. auf den Kopf sind immer ein Fall für den Kinderarzt oder sogar für den Notdienst. Wenn der Bauch des Kindes eingefallen oder stark aufgebläht ist, es nach einem Unfall über starke Kopfschmerzen klagt oder auch bei scheinbar nicht nachvollziehbaren starken Schmerzzuständen ohne äußere Anzeichen sollte immer der Kinderarzt aufgesucht werden.

Kindern bei Schmerzen helfen: Hausmittel und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Die Schmerzbehandlung mit Ibuprofen, mit Paracetamol oder Diclofenac mag zwar gut funktionieren, weil rasche Erfolge zu erzielen sind. Mittel der Wahl sollten Schmerzmedikamente für die Kleinen aber nicht sein. Immerhin belasten sie den Körper bei aller Verträglichkeit dennoch und können mitunter sogar zu Nebenwirkungen führen.

In vielen Fällen gibt es gute Alternativen. Außerdem ist es wichtig, immer erst die Ursachen für die Schmerzzustände zu finden. Haben die Kleinen Bauchschmerzen, weil sie etwas Falsches gegessen haben? Oder liegen die Ursachen für die Beschwerden eher im psychischen Bereich, weil das Kind aufgeregt ist oder Angst hat?

Als Elternteil ist es wichtig die Schmerzen richtig einzuordnen. ( Foto: Shutterstock-  LightField Studios )

Als Elternteil ist es wichtig die Schmerzen richtig einzuordnen. ( Foto: Shutterstock- LightField Studios )

Erste Hilfe bei Kinderschmerzen

Die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme besteht darin, das Kind ernst zu nehmen. Kein „Nun hab dich mal nicht so!“ oder auch „Das ist gleich wieder weg!“, sondern ein liebevolles Verstehen und Mut zusprechen. Auch wenn der blaue Fleck nach dem Sturz mit dem Fahrrad nicht schlimm sein mag, so hat sich das Kind doch erschrocken. Allein der Schreck führt zu einem verstärkten Schmerzempfinden.

Eltern sollten daher die Beschwerden des Kindes nicht achtlos beiseitewischen, sondern ihnen angemessen Aufmerksamkeit schenken. Das Schlüsselwort ist hier „angemessen“, denn es hilft dem Kind auch nicht, wenn die Eltern am Ende mehr Trost brauchen und vor lauter Mitgefühl gleich mitweinen.

Zu den besten Erste-Hilfe-Maßnahmen zählen somit diese:

  • Umarmen und trösten
  • Stelle pusten
  • Cold Pack auflegen
  • evtl. vorsichtig desinfizieren (bei kleinen Schürfwunden)
  • bei Kopfschmerzen: Kind an die frische Luft bringen oder in einen abgedunkelten Raum (je nach Vorerfahrung mit dieser Art Schmerzgefühl)
  • Kirschkernkissen gegen Bauchschmerzen auflegen

Von Süßigkeiten als Trostpflaster ist bitte abzusehen, denn damit lernt das Kind nur schon frühzeitig, dass Schokolade zum Trost gegessen werden kann. Nicht selten entwickelt sich aus so etwas Übergewicht, denn ein derartig erzogenes Kind wird auch als Erwachsener zu Schokolade greifen, wenn mal etwas nicht funktioniert.

Video: Hausmittel – Welche helfen wirklich? – BR Fernsehen

Diese Hausmitteln können zur Schmerzlinderung beitragen

Das erwähnte Kirschkernkissen kann ebenso wie das Cold Pack helfen, das Schmerzgefühl verblassen oder gar verschwinden zu lassen. Damit lassen sich teilweise sogar chronische Schmerzzustände bei Kindern verbessern, wenngleich diese Maßnahmen immer nur ergänzend angewendet werden können.
Weitere Hausmittel sind zum Beispiel Hühnersuppe und Zitronensaft.

Hühnersuppe werden antibakterielle Eigenschaften nachgesagt, sie soll daher bei Infekten besonders gut wirken können. Zitronensaft hingegen enthält jede Menge Vitamin C und pusht damit das Immunsystem. Das wirkt zwar nicht direkt schmerzlindernd, doch bei Halsschmerzen kann dieser Saft zum einen als Placebo gegen den Halsschmerz selbst, zum anderen als wirksames Mittel im Kampf gegen die Viren benutzt werden.

Vorsicht: Früher wurde auf Beulen am Kopf mit einem kalten Messer gedrückt. Damit sollte das „Horn“ nicht zu stark wachsen. Gleichzeitig empfand manches Kind die Kühlung als angenehm. Gekühlt werden können Beulen heute immer noch gern ausgiebig, doch die Gefahr, dass beim Hineindrücken der Beulen die Blutungen nach innen gehen und im Kopf sogar lebensgefährlich werden können, sollte ausschlaggebend dafür sein, eine solche Behandlungsmethode nicht mehr anzuwenden.

Wenn die Kleinen Kopf- oder Bauchweh haben, hilft zudem das Liegen auf dem Sofa und das Schauen einer geliebten Serie oder eines Kinderfilms. Die wohltuende und schmerzlindernde Wirkung der Couch wird vielfach unterschätzt! Zudem kann diese noch erhöht werden, wenn sich Mama oder Papa gemeinsam mit dem Kind hinlegen und ne neben der Ablenkung auch eine extra Portion Kuscheln angesagt ist.

Sollte das Kind chronisch von Schmerzzuständen geplagt sein, muss teilweise sogar eine psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden. Dann reicht nicht einmal die Behandlung beim Kinderarzt aus, vielmehr muss der Psychologe die Ursachen für die Probleme finden, wenn diese nicht körperlicher Art sind. Und auch dann kann es nötig sein, dem Kind Wege aufzuzeigen, wie es mit dem chronischen Schmerz umgehen kann.

Über den Autor

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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