Kinder sind mehr wert: Endlich mehr Geld für Kita-Mitarbeiter!

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Kennen Sie die Kampagne „Kinder sind mehr wert“ ? Was Kinder wert sind, lässt sich natürlich nicht am Geld bemessen. Da immer wieder Kindergelderhöhungen durchgesetzt werden, müssen Kinder auch der Regierung etwas wert sein – man sehe hier einmal großzügig von der Tatsache ab, dass die Erhöhungen in der Regel im unteren einstelligen Bereich tatsächlich zum Tragen kommen (zum Beispiel die Steigerung von zwei Euro pro Kind ab 2016). Ein Problem haben dabei aber nicht nur die Eltern, sondern auch die Kindertagesstätten. Diese haben zunehmend mit schwierigen Kindern und deutlichem Personalmangel zu kämpfen.

Steigende Anforderungen in Kitas

Der Betreuungsschlüssel passt in vielen Kitas zwar – aber nur auf dem Papier. Wer kann sich allein tatsächlich in umfassendem Maße um sieben oder acht Kinder (teilweise sogar noch mehr) kümmern, ohne dass zumindest ältere Kinder zu kurz kommen? In Niedersachsen wurde im Jahr 2009 eine Kampagne durchgeführt, bei der es hieß: Kinder sind mehr wert!

Dass Kinder schon im Elementarbereich gefördert werden müssen, um den Anforderungen durch die Leistungsgesellschaft gerecht zu werden, steht außer Frage. Gleichzeitig braucht das kindliche Hirn auch ausreichend „Futter“, um sich individuell und leistungsgerecht entwickeln zu können. Dies ist in vielen Kitas aber nicht möglich. Zum einen herrscht hier ein chronischer Personalmangel, zum anderen leidet die Motivation der Mitarbeiter angesichts der deutlich zu niedrigen Bezahlung. Die Politik geht getreu dem Motto „Quantität vor Qualität“ vor und sorgt zwar für ausreichende Plätze in den Kindertagesstätten, nicht jedoch für qualitativ hochwertige Angebote. Die Förderung der Kinder bleibt somit auf der Strecke.

Immer wieder stehen die personellen und institutionellen Voraussetzungen, die in den Kitas vorhanden sind, zur Diskussion. Der Bildungsauftrag ist nicht umsetzbar, wenn die äußeren Rahmenbedingungen nicht stimmen. Die Leidtragenden sind die Kinder. Die Berücksichtigung der Bildungsinteressen der Kleinen und intensiv aufbereitete Elterngespräche sind Mangelware und oft nur in privat geführten Einrichtungen zu finden. Das Qualitätsmanagement ist unzureichend, auch eine Vernetzung mit der Kindertagespflege sucht man vielerorts vergeblich. Gleichzeitig steigt der Anspruch an die Kitas, zum Beispiel Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder mit einem besonderen sprachlichen Förderungsbedarf zu betreuen. „Inklusion“ lautet hier das Zauberwort, das Kinder mit Beeinträchtigungen integrieren soll. Dass dieses noble Vorhaben in der Realität zulasten der übrigen Kinder sowie der Erzieher in den Kitas geht, spielt für die verantwortlichen Entscheider keine Rolle. Die Rahmenbedingungen ändern sich nicht, die Ansprüche werden aber schier endlos in die Höhe geschraubt. Niedersachsen hat daher als erstes Bundesland festgestellt: Kinder sind mehr wert!

Berücksichtigung der Kosten unzureichend

Kinder sollten schon frühzeitig die Chance haben, ihren Interessen nachzugehen und eine angemessene Förderung erhalten. Die Qualitätsanforderungen an Kindertagesstätten sind gestiegen – leider haben sich die Voraussetzungen in den Einrichtungen nicht in gleichem Maße angepasst. Nun heißt es aber, dass in die Grundlagen investiert werden müsse, damit Kinder behütet und gefördert aufwachsen können. Die Bedingungen müssen gerechter werden, daher sind verschiedene Forderungen laut geworden:

  • Anpassung des Betreuungsschlüssels
    (Für Kinder bis zu drei Jahre sollte ein Erzieher für maximal vier Kinder eingesetzt werden, die maximale Gruppengröße sollte zwölf betragen. Bei den Kindern zwischen drei und sechs Jahren sollten pro Erzieher höchstens acht Kinder betreut werden. Die Gruppengröße darf 15 nicht überschreiten.)
  • Pädagogische Arbeitszeit muss verbindlich bereitgestellt werden
    (Für Vor- und Nachbereitung der Betreuungszeit sollten mindestens zwanzig Prozent der jährlichen Arbeitszeit eingerechnet werden – bisher sind es nur 10 Prozent.)
  • Freistellung für Leiterinnen und Leiter
    (Kitas ab 60 Plätzen sollten eine freigestellte Leiterin oder einen freigestellten Leiter haben, darunter sollten die Leitungskräfte anteilig in die Betreuung der Kinder eingebunden sein.)
  • Raumstandards müssen aufgewertet werden
    (Jedes Kind braucht im Elementarbereich vier Quadratmeter für sich, in den Krippen sind es sechs Quadratmeter. Investitionen in Sanierung und Instandhaltung sind zwingend erforderlich!)
  • Qualifikation der Erzieher ist wichtig
    (Pädagogische Fachkräfte in der Kindertagesstätte müssen eine nachgewiesene Qualifikation mitbringen.)
  • Fachliche Beratung muss sichergestellt sein
    (Die Fachberatungsstelle darf höchstens 50 Kitas umfassen.)

Kinder sind mehr wert: Gleichzeitiges Steigen von Qualität und Platz

Die Politik baut die Betreuungsmöglichkeiten weiter aus, sichert damit aber nur mehr Kinder einer Kita zu. Das heißt, wo vorher Platz für 30 Kinder war, ist dann Platz für 35 Kinder – die Maßgaben für die ideale Quadratmeterzahl pro Kind werden großzügig vernachlässigt. In vielen Kitas steigt daher das Platzangebot, was beispielsweise durch das Aufstellen und Integrieren von Wohncontainern möglich ist. Allerdings steigt mit dem Platz auch die Zahl der betreuten Kinder – die Sache ist also eine Nullrechnung. Dazu kommt, dass derzeit auch die Qualität nicht in dem gewünschten Maße steigt. Die Erzieher bräuchten mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung, doch diese Zeit wird ihnen nicht zugestanden. Die Mehrbelastung bei gleichzeitig schlechter Bezahlung lässt die Motivation sinken, sich um eine angemessene Förderung des Nachwuchses zu kümmern. In Niedersachsen haben sich im Zuge der Kampagne „Kinder sind mehr wert“ auch die Wohlfahrtsverbände zusammengeschlossen und haben definierte Standards als Grundlage für die Kinderbetreuung festgelegt. Platz und Qualität der Betreuung müssen also in gleichem Maße steigen, wenn wirklich etwas erreicht werden soll.

Weitere Bundesländer ziehen nach: „Kinder sind mehr wert“ setzt sich durch

Auch in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Kampagnen wie die „Kinder sind mehr wert“ in Niedersachsen. So wurden in Bayern und Nordrhein-Westfalen die Bedingungen für die Kitas verschlechtert, was wiederum mit einer Vielzahl von Kampagnen zu ändern versucht wurde. In Hessen oder Brandenburg wurden ebenfalls Kampagnen ins Leben gerufen, die sich mit einer Verbesserung der Betreuung in den Kitas befassen. Dabei geht es auf der einen Seite um die Ermöglichung einer besseren Förderung und Ausbildung der Kinder, auf der anderen Seite um bessere Arbeitsbedingungen für die Erzieher. Die Unterschiede zwischen den Kampagnen und zwischen den Forderungen für Kinder einerseits und den Forderungen für Erzieher andererseits sind in der Öffentlichkeit nur schwer erkennbar. Doch den zuständigen Stellen muss es endlich zu denken geben, dass so viele verschiedene Kampagnen in diversen Bundesländern laufen. Dass sich die Bündnispartner hier einig sind und dass überall ähnliche Problemstellungen behandelt werden. Dass Kinder auf der Strecke bleiben, wenn nicht endlich etwas für Förderung und Bildung getan wird.
Kinder bringen alle Voraussetzungen mit, um erfolgreiche Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Sie wollen lernen, sie gieren nach Neuigkeiten und möchten neue Techniken und Methoden für Forschung und Arbeit kennenlernen. Alles auf einem kindlichen Niveau, versteht sich. Doch genau hier muss angesetzt werden, um die Lernfreude der Kleinen zu erhalten und weiter zu fördern. Später kann die Gesellschaft insgesamt von Kindern profitieren, die in ihrer jüngsten Zeit gefördert und erstklassig betreut wurden. Nun stellt sich die Frage: Sind Kinder nicht mehr wert als das, was durch die Politik vordergründig getan wird?


Bildnachweis: © Fotolia – highwaystarz



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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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