Bevölkerungspyramide: Deutschland Gesellschaft der Alten?

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Die Bevölkerungspyramide stellt einen wichtigen Anhaltspunkt dar, wenn es um die Thematik der Demografie geht. Über diese Form der Darstellung lässt sich erkennen, inwieweit es Veränderungen in der Altersstruktur in Deutschland über die Jahre hinweg gibt. Schnell wird bei einem Vergleich deutlich, dass die Zunahme der älteren Menschen in Deutschland nicht kleingeredet werden kann.

Die Bevölkerungspyramide: Entwicklung im Laufe der Jahre

Die Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland von 1950 bis hin zum Jahr 2060 lässt sich sehr gut an der Bevölkerungspyramide erkennen. In dieser Darstellung wird in Zehnerschritten gezeigt, wie die aktuelle Altersstruktur von Deutschland ist. Die Aufteilung der Bevölkerungspyramide ist dabei wie folgt:

  • Waagerecht ist die Darstellung der Bevölkerung in Millionen.
  • Die senkrechte Mittellinie zeigt das Alter der Personen.
  • Auf der linken Seite ist die Darstellung der männlichen Bevölkerung.
  • Auf der rechten Seite ist die Darstellung der weiblichen Bevölkerung.

Durch diese Aufteilung ergibt sich eine Pyramide. Im Laufe der Jahre sind immer wieder Veränderungen zu erkennen in den einzelnen Altersabschnitten. Einen Einfluss darauf haben die Geburten, aber auch die Sterberaten sowie das zunehmende Lebensalter in den Industrieländern.

In den Entwicklungsländern kann sich eine Bevölkerungspyramide daher ganz anders darstellen, als beispielsweise in Deutschland. Im Rahmen der Bevölkerungsgeographie wird daher oft eine bestimmte Zone betrachtet. Dies können Ökozonen sein. Es kann sich aber auch um einen Regierungsbezirk handeln.

Infografik: Bevölkerungspyramide Deutschland 2017 (#1)

Infografik: Bevölkerungspyramide Deutschland 2017 (#1)

Der Altersaufbau im Fokus: Der Blick auf die Bevölkerungspyramide

Die Darstellung in einer Bevölkerungspyramide ist unter anderem vor allem deshalb interessant, weil man damit herausfinden kann, wie sich der Altersaufbau entwickelt. Durch die sich steig verbessernde medizinische Versorgung und immer bessere Ergebnisse in der Medizin, auch in Bezug auf die Heilung schwerer Krankheiten, steigt das zu erwartende Lebensalter deutlich an. Einen Einfluss darauf haben auch die Veränderung der Ernährungsweise und der gesteigerte Blick auf die eigene Gesundheit. Immer mehr Menschen achten auf ihre Gesundheit, treiben Sport und ernähren sich gesünder. Dies wirkt sich auch auf das Lebensalter aus.

Für das Land selbst kann ein starker Altersaufbau zu einem Problem werden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Geburtenrate die steigende Altersstruktur nicht auffangen kann. Eine Bevölkerungspyramide, deren breite Darstellung vor allem im hohen Altersaufbau liegt, weist auf eine Belastung des Landes hin. Die Frage, ob Deutschland ein Land der Alten ist, ist daher berechtigt.

Bevölkerungspyramide lesen: Die verschiedenen Formen

In Bezug auf die Bevölkerungspyramide gibt es verschiedene Formen, die für die Auswertung herangezogen werden. Unterschieden wird dabei vor allem zwischen:

  • Pyramide
  • Glocke
  • Urne
Infografik: Bevölkerungspyramide Welt 2017 (#2)

Infografik: Bevölkerungspyramide Welt 2017 (#2)

Wenn eine lineare Pyramidenform vorliegt, wird von einer klassischen Pyramide gesprochen. Hier ist mit einem linearen Abnehmen innerhalb der einzelnen Altersgruppen zu rechnen, wenn die Bevölkerungspyramide auf die Zukunft ausgerichtet ist, um Prognosen erstellen zu können. Über die einzelnen Altersstufen hinweg, ist die Sterblichkeit relativ gleichmäßig.

In Ländern, wie Indien oder Südamerika, ist vor allem diese Form zu finden. Von einer optimalen Form bei der Bevölkerungspyramide wird dann gesprochen, wenn eine Bienenstockform vorliegt. Die Altersstruktur läuft hier langsam zusammen. Im hohen Alter verkleinert sie sich schnell stark. Die Voraussetzungen für diese Form sind eine hohe Lebenserwartung und eine hohe Sterberate, die jedoch spät einsetzt. Zudem ist eine konstante Geburtenrate eine wichtige Basis.

Wie wurde Deutschland zum Land der Alten?

Wenn man heute einen Vergleich der Bevölkerungspyramiden für Deutschland anstellt, wird deutlich, dass ein Alterungsprozess vorhanden ist. Während bei der Bevölkerungspyramide aus dem Jahr 1950 relativ hohe Geburtenraten sowie starke Ausprägungen in Altersgruppen von 20 bis 50 zu erkennen waren, hat sich dies bei der Pyramide des Jahres 2017 schon verändert. Die Geburtenzahlen sind zurückgegangen, die Bevölkerung ist vor allem in den Altersbereichen von 50 bis 70 Jahren sehr stark.

Die Prognosen für 2060 zeigen eine weitere Veränderung. Hier wird von weiter verringerten Geburtenzahlen ausgegangen. Die Pyramide wird schlanker werden und stärker nach oben ausgeprägt sein. Die Lebenserwartung wird steigen, die Anzahl der Bevölkerung in den Altersgruppen von 60 bis 80 Jahren nimmt zu.

Mit Anreizen wie dem Elterngeld versucht der Staat die Geburtenrate und damit die Ausformung der Bevölkerungspyramide zu beeinflussen. (#3)

Mit Anreizen wie dem Elterngeld versucht der Staat die Geburtenrate und damit die Ausformung der Bevölkerungspyramide zu beeinflussen. (#3)

Tatsächlich ist der zunehmende Alterungsprozess von Deutschland kein neues Phänomen. Stattdessen sind die ersten erkennbaren Veränderungen sogar schon Anfang des 20. Jahrhunderts aufgetreten. Hier war das erste Mal ein Geburtenrückgang stark zu erkennen. Zwar kam es in den 1960er Jahren noch einmal zu einem Babyboom. Allerdings hat sich diese Thematik eingependelt.

Durch Anreize des Staates, wie das Elterngeld, wird versucht, Einfluss auf die Geburtenrate zu nehmen. In den 1970er Jahren wurde der Alterungsprozess dann aber anderweitig beeinflusst. Hier zeigt sich nun eine deutlich rückläufige Sterblichkeit in Bezug auf die hohen Altersgruppen.

Wer einen Blick auf die Bevölkerungspyramide von 1950 und von 2017 wirft, der wird klar erkennen, dass Rückläufigkeit in den jungen Altersgruppen zu erkennen ist. Während der Anteil der Menschen unter 20 Jahren 1950 noch bei 30 Prozent lag, befindet er sich nun bei 18 Prozent. In Bezug auf die Einschätzungen für die Zukunft wird davon ausgegangen, dass sich dies bis 2060 noch einmal ändert.

Hochaltrigkeit als Phänomen von Vergangenheit und Zukunft

Die sogenannte Hochaltrigkeit, war 1950 noch ein eher seltenes Phänomen. Etwa jeder 100. Einwohner von Deutschland war damals 80 Jahre alt oder auch älter. 2017 gab es hier bereits eine klare Veränderung. Bereits 6 Prozent der Bevölkerung haben dieses Alter erreicht. In Bezug auf die Zukunft ist zu vermuten, dass dieser Anteil steigt und zwar auf bis zu 12 Prozent. Das Lebensalter ist also weiter als zunehmend zu bezeichnen.

Video: Überalterung in Deutschland

Beim Lesen der Bevölkerungspyramide aus dem Jahr 2017 fallen aber mehrere Punkte auf. Hier werden gerade bei den älteren Menschen mehr Frauen als Männer dargestellt. Dies hängt damit zusammen, dass zahlreiche Männer, die sich heute in diesem Altersbereich bewegen würden, im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Auch auf dieser Basis ist zu erwarten, dass die Pyramide in Bezug auf die hohen Jahre weiter zunimmt. So sind 2060 nicht nur deutlich mehr Frauen in dem Alter zu erwarten, sondern auch Männer. Da Frauen tendenziell länger leben, ist jedoch zu vermuten, dass die Anzahl der Frauen weiter überwiegt.

Die starke Anzahl an Menschen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren geht auf den Babyboom in den 1960er Jahren zurück. Dieser erklärt auch die starke Anzahl an Menschen im Alter von rund 30 Jahren. So handelt es sich dabei um die Kinder der Personen, die aus dem Babyboom hervorgegangen sind. Anders sieht es bei den Menschen von 22 bis 26 Jahren aus. Hier ist eine deutliche Einbuchtung zu erkennen, da es Anfang der 1990er Jahre ein Geburtentief gab. Auch dieser Faktor unterstreicht, dass Deutschland heute als Land der Alten gesehen wird.

Sorgenkind Geburtenrate: Warum sie nicht dauerhaft steigen wird

Eine Veränderung der Bevölkerungspyramide in Deutschland ist nicht in Sicht. Die hohen Lebenshaltungskosten führen eher dazu, dass sich Paar statt  Kindern eher Ziele im Bereich Karriere oder Lebensstandard setzen. (#4)

Eine Veränderung der Bevölkerungspyramide in Deutschland ist nicht in Sicht. Die hohen Lebenshaltungskosten führen eher dazu, dass sich Paar statt Kindern eher Ziele im Bereich Karriere oder Lebensstandard setzen. (#4)

Immer wieder gibt es positive Berichte in Hinblick auf die Geburtenrate. Tatsächlich scheint diese aktuelle steigend zu sein. Dies hängt jedoch vor allem mit der zunehmenden Zuwanderung nach Deutschland zusammen. Auch die Kinder der Babyboomer befinden sich aktuell in einem Alter, in dem sie noch in der Lage sind, Kinder zu zeugen.

Beide Faktoren wirken sich nicht dauerhaft auf die Geburtenrate aus. Dazu kommen steigende Lebenserhaltungskosten, die stark durch höhere Mieten geprägt werden. Immer weniger Menschen können es sich leisten, mehr als ein oder zwei Kinder zu bekommen. Teilweise verzichten Paare sogar ganz auf Kinder und widmen sich lieber ihrer Karriere und einem höheren Lebensstandard aus finanzieller Sicht. Daher ist zu erwarten, dass der Anteil der Alten in Deutschland auch weiterhin hoch bleibt und durch eine steigende Geburtenrate nicht abgefangen werden kann.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild oneinchpunch, #3 Andrey_Popov, #4 EtiAmmos ||
#1 Graph created by User:Kmf164 [Public domain], via Wikimedia Commons,
#2 Delphi234 [CC0], from Wikimedia Commons

Über Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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