Zu dick, zu dünn - die neuen Kinderkrankheiten

10.04.2008 | München
Windpocken, Masern, Mumps - bis vor einigen Jahren waren das die typischen Kinderkrankheiten. Heute beschäftigen Adipositas, Magersucht und Bulimie immer mehr Ärzte und Familien - und mittlerweile auch die Politik. Denn die Zahl essgestörter Kinder und Jugendlicher nimmt stetig zu.

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist zu dick. Tendenz: steigend. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie alltäglich - und werden von den Eltern oft genug selber vorgelebt: Fernseher und Computer sind fester Bestandteil der Freizeitgestaltung, Bewegung und Sport kommen zu kurz. Falsche und fettreiche Ernährung tun ihr Übriges.

1,9 Millionen Kinder und Jugendliche hierzulande sind laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) übergewichtig, weitere 800.000 sogar fettleibig. Krankheiten wie Magersucht oder Ess-Brech-Sucht breiten sich aus: 22 Prozent der 11 bis 17-Jährigen in Deutschland weisen Symptome von Essstörungen auf. Am weitesten verbreitet sind Magersucht und Bulimie.

Betroffene werden immer jünger

Die Betroffenen, die sich häufig an den Schönheitsidealen aus Film und Werbung messen, werden immer jünger: Zum Teil erkranken schon Kinder im Alter von zehn Jahren an Essstörungen. Sie begeben sich damit in einen gefährlichen Kreislauf: Viele haben nicht nur mit körperlichen, sondern auch psychischen Problemen zu kämpfen. Schwierigkeiten in der Schule und in der Ausbildung sind oft die Folge.

Verschiedene Organisationen, Institute und auch die Bundesregierung versuchen nun, dem Trend der Essstörungen entgegenzuwirken. So arbeitet das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit an einem Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus 2 oder Rücken- und Gelenkbeschwerden - sogenannte Zivilisationskrankheiten.

Workshop "Smart Food statt Fast Food"

Auch die Allianz Private Krankenversicherung will einen Beitrag leisten und betreibt bereits seit mehreren Jahren das Projekt "Smart Food statt Fast Food". In dessen Rahmen werden für Schüler ab der 5. Klasse Ernährungs-Workshops angeboten. Einen ganzen Vormittag lang erfahren sie von Ernährungswissenschaftlern Wissenswertes rund um gesunde Ernährung und Bewegung und deren positive Auswirkungen. Seit dem Projektstart 2005 haben bereits über 6000 Schüler an den Workshops teilgenommen. Über 150 Ernährungsworkshops werden jährlich an Schulen organisiert.

In den Workshops lernen die Schüler auf abwechslungsreiche und spielerische Art und Weise, was eine gesunde Ernährung ausmacht. Auch die Freude am Naschen kommt nicht zu kurz. Eine sogenannte "Schokoladen-Meditation" lässt die Kinder Süßigkeiten ganz neu erleben und genießen. Zum Abschluss erhält jeder Teilnehmer einen Ernährungsratgeber, in dem er das Gelernte noch einmal nachlesen kann. Außerdem dabei sind viele Rezeptideen für gesunde und leckere Mahlzeiten.

Den eigenen Eltern zum Vorbild

"Wir wissen, dass Ernährungs- und Bewegungsverhalten bereits in jungen Jahren geprägt werden", sagt Dr. med. Matthias Kühn, Leiter Gesundheitsmanagement bei der Allianz Privaten Krankenversicherung. "Deshalb ist es wichtig, die Vermittlung von entsprechendem Wissen möglichst früh anzusetzen. Kinder nehmen sich ja häufig ein Beispiel am Essverhalten ihrer Eltern. Die Rollen könnten aber vertauscht werden, wenn die Kinder über ein gewisses Maß an entsprechendem Wissen verfügen. Dann könnten sie sogar den Eltern ein Vorbild sein."

Quelle: Pressemeldung Allianz SE

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