Wie Elternarbeit an Schulen gelingen kann

23.03.2011 | Berlin
Eltern haben das Recht und die Pflicht, die Erziehung und Bildung ihrer Kinder an Schulen mitzugestalten. Doch immer wieder kommt es zu Kommunikationsproblemen zwischen Lehrkräften und Elternhäuser, die eine konstruktive Zusammenarbeit behindern. Woran liegt das und welche Mittel gibt es gegen derartige Missverständnisse und Konflikte?

Martin Kohn, Mitglied der Schulleitung eines Frankfurter Gymnasiums und Fortbildner, bietet Antworten auf diese Fragen: In einem Ratgeber zur Elternarbeit erläutert er grundlegende Mechanismen der Kommunikation rund um Schule und versammelt einen Fundus an praktischen Hinweisen für ein gelingendes Miteinander.

Eltern und Lehrkräfte müssen und sollen zum Wohl der Schüler/innen miteinander kommunizieren, doch nicht selten kommt es dabei zu Schwierigkeiten. Welche sind die häufigsten Ursachen für Probleme?

Martin Kohn: Manch einem Pädagogen graut es vor dem nächsten Elterngespräch oder dem Elternabend, weil er befürchtet, dass die anwesenden Mütter und Väter seine Arbeit kritisieren und ihm Unverständnis sowie Vorwürfe entgegenbringen könnten. Die Eltern wiederum fühlen sich in Erziehungsfragen von der Schule im Stich gelassen oder werfen den Lehrkräften vor, ihre Kinder nicht ausreichend zu fördern bzw. deren Leistungen ungerecht zu bewerten. Diese Verunsicherung und der Bedarf an Hilfestellung zeigt sich auch daran, dass die Deutschen jährlich etwa 750 Millionen Euro für Erziehungsratgeber und -zeitschriften ausgeben und Fernsehsendungen wie "Die Super Nanny" auf RTL einen überdurchschnittlichen Marktanteil bei der wichtigen Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen verbuchen können.

Hinter der sogenannten "Elternarbeit" verbirgt sich ja mehr als der klassische Elternabend. Gibt es Beispiele für andere, vielleicht auch neue Bereiche, in denen der Austausch wichtig ist?

Martin Kohn: Eine ganze Reihe ausgefallener, spannender, interessanter und für alle Seiten gewinnbringender Ideen und Vorschläge, wie Lehrerinnen und Lehrer Eltern stärker in den Schulprozess einbeziehen und das erwähnte angespannte Verhältnis auflockern können, zeigt mein Buch 99 Tipps: Erfolgreiche Elternarbeit. Hierzu zählen etwa ein regelmäßiger Elternstammtisch, um den gegenseitigen Austausch zu fördern, oder die Einrichtung eines "gemischten Chores", der aus Eltern, Lehrern und Schülern besteht.

Gibt es einige erste Weichenstellungen für die Zusammenarbeit mit den Eltern, die Sie Neueinsteigern oder jungen Lehrer/innen empfehlen würden?

Martin Kohn: Für Berufseinsteiger stellt die Zusammenarbeit mit Eltern immer wieder eine besondere Herausforderung dar. Zwar werden sie in den Seminaren schrittweise darauf vorbereitet, ihre universitäre Ausbildung vernachlässigt diesen äußerst wichtigen und sensiblen Schwerpunkt schulischer Tätigkeit allerdings noch immer. Schwierigkeiten machen ihnen häufig die Vorbehalte der Eltern gegenüber Referendaren, die es zunächst zu entkräften gilt. Viele Mütter und Väter haben beispielsweise die Befürchtung, dass ihr Kind von einer nicht vollständig ausgebildeten Kraft unterrichtet und benotet wird. Daraus schließen sie, dass eine von dem Referendar erteilte schlechte Note, die sich möglicherweise negativ auf die Schullaufbahn ihres Kindes auswirkt, nicht berechtigt sein könnte. Diese Haltung wird auch in die Elterngespräche hineinwirken, die der Referendar führt. Berufseinsteiger sollten daher Elterngespräche sorgfältig und gegebenenfalls mit Unterstützung ihres Mentors oder einem anderen in der Elternarbeit erfahrenen Kollegen vorbereiten. Auch ein selbstbewusstes Auftreten ist sehr wichtig, zum Beispiel beim Vorstellen im Rahmen eines Elternabends.

In Ihrem Ratgeber nennen Sie auch Ihre "Lieblingstipps" für die Elternarbeit - welcher liegt Ihnen denn besonders am Herzen und warum?

Martin Kohn: Mir ist es vor allem wichtig, dass Eltern nicht nur als "Hilfssheriffs" gesehen werden, die immer dann einspringen, wenn Not am Mann ist: als Begleitung einer Klassenfahrt, als Bibliotheksmutter oder als Vertretungsreserve. Nicht zuletzt für eine gelungene Integration ist es aber von zunehmender Bedeutung, auf Eltern aus anderen Kulturkreisen aktiv und offen zuzugehen und diese für eine Teilnahme am Schulleben ihrer Kinder zu gewinnen.

Martin Kohn ist Mitglied der Schulleitung eines Frankfurter Gymnasiums und war jahrelang als Referent für Medien und Kulturelle Bildung an das Hessische Kultusministerium abgeordnet. Er hat eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer geleitet und war als Mentor in der Lehrerausbildung tätig. Darüber hinaus arbeitet er für verschiedene Medien im Bildungsbereich.

Quelle: Pressemeldung Cornelsen Verlag GmbH

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