Bildung für alle: Ungleichheit überwinden
Eines von drei Kindern in Entwicklungsländern ist, wenn es das Grundschulalter erreicht, durch Mangelernährung geschädigt, in Südasien sind es sogar 40 Prozent. Immer noch gehen 75 Millionen Kinder weltweit nicht zur Grundschule, in Afrika südlich der Sahara betrifft dies sogar fast ein Drittel aller Kinder. Dies ergibt sich aus dem Weltbericht "Bildung für alle" 2009, der von der UNESCO am 25. November 2008 in Genf vorgestellt wird. Der diesjährige UNESCO-Bericht steht unter dem Titel "Ungleichheit überwinden: warum politisches Handeln zählt" ("Overcoming inequality: why governance matters"). Schwerpunkte des Berichtes sind Bildungspolitik und Bildungsfinanzierung.
Der im Auftrag der UNESCO von einem unabhängigen Team verfasste Bildungsbericht (Education for all - Global Monitoring Report) gibt jährlich einen Zwischenstand nach dem Weltbildungsforum in Dakar 2000, auf dem sich 164 Länder verpflichtet haben, sechs Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität.
Der diesjährige Bericht zieht ein sehr kritisches Fazit: Der Fortschritt bei den sechs Dakar-Zielen werde insbesondere durch Benachteiligung aufgehalten. Einkommen, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Muttersprache und Behinderung seien Faktoren, die nach wie vor zu starker Benachteiligung und mangelnden Bildungschancen führen.
Wenn sich aktuelle Trends fortsetzen, so werden im Zieljahr von "Bildung für alle" 2015 immer noch mindestens 29 Millionen Kinder keine Schule besuchen. Laut dem UNESCO-Bericht verläuft eine riesige Kluft zwischen den Bildungschancen von Kindern in reichen und Kindern in armen Ländern; häufig sind auch die Unterschiede innerhalb eines Landes groß. Besonders Mädchen aus dem ländlichen Raum sind stark benachteiligt. Auch wenn in einigen der ärmsten Länder ermutigende Fortschritte sichtbar seien, würden ohne entschiedene Maßnahmen viele Bildungsziele verpasst werden, in einigen Fällen sogar bei weitem, so der diesjährige Report.
Der Bericht weist darauf hin, dass die Schulsysteme vieler Länder dauerhaft unterfinanziert und unzureichend mit Personal ausgestattet sind. Allein in Afrika südlich der Sahara müssen 3,8 Millionen neue Lehrer eingestellt werden, um bis 2015 allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen.
Immer noch können 776 Millionen Erwachsene weltweit nicht lesen und schreiben, 16 Prozent der Weltbevölkerung. Nach wie vor sind zwei Drittel der Analphabeten Frauen. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, werden im Jahr 2015 immer noch über 700 Millionen Menschen Analphabeten sein.
Eine zentrale Schlussfolgerung des diesjährigen Weltbildungsberichtes ist, dass die nationalen Regierungen sozialer Gerechtigkeit dringend höhere Priorität einräumen müssen. Auf der Basis internationaler Erfahrungen identifiziert das Autorenteam eine Reihe von Maßnahmen, die größere Chancengleichheit herbeiführen können, darunter die Abschaffung von Schulgebühren, höhere Investitionen in Bildung, Anreize für Mädchen und benachteiligte Gruppen und mehr Gewicht auf Bildungsqualität.
Kritisch sehen die Autoren des Berichts aktuelle Tendenzen, Regierungshandeln von Industriestaaten in Entwicklungsländer zu exportieren und dort zu kopieren. Der Bericht legt Wert darauf, dass die Bereitstellung einer erschwinglichen Grundbildung Aufgabe des Staates sei. Es dürfe nicht die Rolle des Privatsektors sein, ein nicht funktionierendes öffentliches System zu reparieren.
Sehr kritisch beurteilt der Bericht auch die Politik der Geber, die ihre Entwicklungshilfezusagen in großer Zahl nicht einhielten. Der Bericht kommt zu der Einschätzung, dass im Jahr etwa 7 Milliarden US-Dollar fehlen, um bis 2015 das Ziel einer Grundbildung für alle zu erreichen. Während auf dem Treffen hochrangiger Regierungsvertreter zu den Millenniumszielen im September 2008 ermutigende Ankündigungen gemacht worden seien, zeigten die tatsächlichen Trends in eine andere Richtung. So stagniere seit 2004 die Hilfe für Grundbildung. Diese werde von einigen großen Geberländern stark vernachlässigt, vor allem Frankreich, Deutschland und Japan.
Quelle: Pressemeldung Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
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